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Abbau in Sibirien

Sibirische Schatzkammern: Unbezahlbare Mineralien, die die globale Industrie nähren

„Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort „Sibirien“ hören?

Wahrscheinlich sind die häufigsten Assoziationen „sehr kalt“, „Bären laufen auf den Straßen“, „viel Wald„. Über diese Fakten könnte man separate Artikel schreiben, aber heute geht es um einen anderen wichtigen Aspekt.

Sibirien ist ein ausgedehntes Gebiet Russlands, das sich über gewaltige Distanzen erstreckt. Es spannt sich über 7.000 Kilometer vom Ural im Westen bis zum Pazifischen Ozean im Osten und über 3.500 Kilometer vom Arktischen Ozean im Norden bis zu den Grenzen der Mongolei und Chinas im Süden.

Das sibirische Territorium gliedert sich in verschiedene Vegetationszonen: Tundra, Gebirge und Steppen, die riesige Taiga und die unwirtlichen arktischen Kältewüsten, wo die Temperaturen auf minus 50 Grad Celsius fallen können. Diese immense Region zeigt eine beeindruckende Vielfalt an Landschaften und extremen Klimabedingungen.

                     Baikalsee im Winter 

In der unberührten Wildnis Sibiriens befinden sich gewaltige Reserven an Kohle, Erdöl, Erdgas und Eisenerz. Sibirien beheimatet auch reiche Vorkommen an Diamanten, Gold, Platin, Uran, Blei, Zink, Nickel, Kupfer, Graphit, Molybdän und Wolfram. Tatsächlich lassen sich nahezu alle Elemente des Periodensystems in Sibirien finden (1).

Stellen Sie sich nur vor: Die riesigen, nahezu unberührten Weiten Sibiriens bergen in ihrem Untergrund wahrhaft unbezahlbare Reichtümer. Hier, im Herzen Russlands, liegen wertvolle Mineralressourcen, ohne die die moderne Welt gar nicht existieren könnte. Lassen Sie uns also herausfinden, um welche Schätze es geht und warum sie für uns so wichtig sind.

Lithium – das Element der Zukunft

Im April 2022 kündigten „Rosatom“ und „Nornickel“ gemeinsame Pläne zur Lithiumförderung in der Kolmozersker Lagerstätte in der Region Murmansk an. Dies ist die größte Lithiumlagerstätte Russlands, die etwa 75 Millionen Tonnen Lithiumerz – fast 19% der gesamten russischen Reserven dieses strategischen Elements – enthält. (1)

Sie fragen sich vielleicht: Wozu brauchen wir überhaupt Lithium? Die Antwort ist einfach – es ist eine entscheidende Komponente für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus. Ohne es geht gar nichts – weder Elektroautos fahren noch Smartphones eine Stunde lang arbeiten. Aus diesem Grund wächst die Nachfrage nach Lithium mit der Entwicklung von Hightech-Branchen von Jahr zu Jahr.

Neben der Lithiumförderung sieht die Partnerschaft zwischen „Rosatom“ und „Nornickel“ die Entwicklung der Infrastruktur der Nördlichen Seeroute und den Ausbau der Atomeisbrecherflotte vor. Dies wird Russland neue Transportmöglichkeiten in der Arktis eröffnen (2).

Nickel und Kupfer – Industriegiganten

Stellen Sie sich nun die berühmten Noriilsker Bergwerke vor, in denen die nicht weniger wertvollen Ressourcen Nickel, Kupfer und die damit verbundenen Platinmetalle gefördert werden. Diese Region Sibiriens kann man mit Recht als einen der globalen Marktführer in der Produktion solcher Materialien bezeichnen.

Nickel und Kupfer sind sehr gefragt bei der Herstellung von Batterien, Münzen, Spezialsorten Stahl und Katalysatoren für die chemische Industrie. Eine moderne Industrie ohne diese beiden Metalle ist schlicht undenkbar!

Diamanten und Gold – Schätze, würdig für Könige

Doch damit sind die Reichtümer Sibiriens noch nicht erschöpft! Im jakutischen Boden sind wahrhaft königliche Schätze verborgen – Diamanten und Gold. Die größten Vorkommen sind Neschdaninskoje, Tomtorskoje, Kuchus, Bolschoi Kuranach. Brillanten aus dieser Region gehen in Juwelierwerkstätten auf der ganzen Welt, wo geschickte Meister sie in luxuriösen Schmuckstücken verwandeln. Und Gold dient vielen Ländern als zuverlässige finanzielle Reserve.

Kobalt und Platinmetalle – Schlüssel zum Fortschritt

Fügen Sie dieser Liste noch Kobalt hinzu, das für die Herstellung derselben Akkus benötigt wird, sowie Platinmetalle, ohne die weder die Automobilindustrie noch die chemische Produktion auskommen. Genau diese seltenen und wertvollen Elemente ermöglichen den rasanten Fortschritt moderner Technologien und eröffnen der Menschheit neue Horizonte.

Wirtschaftlicher Wohlstand und ökologische Herausforderungen

Die Bodenschätze Sibiriens bringen Russland enorme Einnahmen und sichern Tausende von Arbeitsplätzen. Das Land ist einer der Hauptlieferanten dieser Ressourcen auf dem Weltmarkt, was seine wirtschaftliche Position stärkt.

Der Bergbau ist jedoch bekanntlich mit ökologischen Problemen wie Wasser- und Bodenverschmutzung, Zerstörung natürlicher Landschaften sowie dem Aussterben von Pflanzen und Tieren verbunden. Daher ist es heute äußerst wichtig, mit Hilfe moderner „grüner“ Technologien ein Gleichgewicht zwischen industrieller Entwicklung und Umweltschutz zu finden.

Als einige Beispiele für die Auswirkungen der Industrie auf die Umwelt werden wir einige traurige Beispiele nennen.

Einer von ihnen ist die Stadt Norilsk und oben genannter russische RohstoffkonzernNornickel„.

Was ist Norilsk? Es ist fast die nördlichste Stadt Russlands. Sie können hier nicht anders als mit dem Flugzeug ankommen, die einzige Eisenbahnstrecke führt nach Dudinka.

Es ist ein Grenzgebiet, und wenn Sie ankommen, füllen Sie den Fragebogen aus — als ob Sie in einen anderen Staat einreisen würden. Ausländer dürfen nur in Absprache mit den Geheimdiensten einreisen.

Unter der Tundra liegen farbige Erze. Kupfer, Nickel, Kobalt, Palladium, Osmium, Platin, Gold, Silber, Iridium, Rhodium, Ruthenium, technischer Schwefel, metallisches Selen und Tellur sowie Schwefelsäure werden hier gewonnen. „Nornickel“ produziert 35% des weltweiten Palladiums, 25% Platin, 20% Nickel, 20% Rhodium, 10% Kobalt. In Russland ist es fast das gesamte Nickel, fast das gesamte Kobalt und die Hälfte des Kupfers (4).

Ende Mai 2020 kam es zu einem Ausfluss von über 20.000 Tonnen Dieselöl aus einem Tank eines Werks, das zu „Nornickel“ gehört. Dadurch wurde die Arktis-Halbinsel Taimyr verschmutzt. Einen Monat später wurden weitere Tausende Kubikmeter chemischer Abwässer aus der chemischen Anreicherungsanlage von „Nornickel“ in Talnach in die sibirische Tundra geleitet. Im Juli 2020 traten auch 44 Tonnen Kerosin aus einer Pipeline von Norilsktransgas aus, die ebenfalls zum Konzern „Nornickel“ gehört (4, 5).

Natürlich sollte erwähnt werden, dass unabhängige Journalisten von der „Nowaja Gaseta“ („Neue Zeitung“) sowie Aktivisten von Greenpeace versucht haben, Bodenproben für Analysen im Labor zu entnehmen und eine unabhängige Untersuchung durchzuführen. Leider sahen sie sich mit dem Druck der Behörden und Hindernissen bei ihrer journalistischen Arbeit konfrontiert.

Paradoxerweise profitiert Nornickel auf seinen Absatzmärkten vom Klimawandel – beziehungsweise von der Politik, die ihn begrenzen soll. Nickel wird für die Herstellung von Batterien gebraucht, die wiederum der bedeutendste Bestandteil von Elektroautos sind. Die Energiewende schafft damit neue Nachfrage für ein Metall, das bisher vor allem für Edelstahl benötigt wurde (6).

Die Goldgewinnung als kritisch wichtiger Rohstoff ist auch mit einer enormen Umweltbelastung verbunden. Der WWF Russland hat von Mai bis Juni 2021 30 Fälle von Flussverschmutzungen in Sibirien mit einer Gesamtlänge von 1474 km aufgrund der Goldsuche festgestellt. Experten analysierten Satellitenbilder der Gebiete Krasnojarsk Region, Region Kemerowo, Tuwa und Chakassien (7).

Der Krasnojarsk Region war führend in der Verschmutzung von Flüssen – 14 Fälle von Verschmutzung mit einer Gesamtlänge von 816 km, gefolgt von Tuwa mit sechs Fällen von Verschmutzung mit einer Länge von 237 km, gefolgt von der Region Kemerowo und Chakassien (7).

Auch tragische Geschichten bleiben nicht aus. So spülte im Jahr 2020 ein Strom aus schmutzigem Wasser den Arbeitersiedlung der Goldabbau-Firma „Sisim“ am Fluss Sejba im Krasnojarsk Region weg. 20 Menschen starben, weitere 44 wurden verletzt (8).

Wie sich im Laufe der Untersuchung herausstellte, lag die Ursache darin, dass die Goldsucher versuchten, die Verschmutzung des Flusses Malaja Sejba mit Abfällen zu vertuschen. Dem Bereichsleiter wurde befohlen, Dämme zu bauen und Wasser zu stauen, bis die Inspektionskommission passiert ist. Aber am 19. Oktober um 6:00 Uhr brach der errichtete Damm zusammen, und die Arbeitersiedlung mit 74 Personen wurde einfach weggespült (8).

Besorgniserregend in Zeiten der Klimakrise ist außerdem die Beeinträchtigung des Permafrosts. Dieser wird durch den Goldabbau beschädigt, was zum Austritt des klimaschädlichen Methans führt (9).

Blick in die Zukunft

Leider ist es ziemlich schwierig, darüber zu sprechen. Zum Beispiel hat die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation am 21. Juni 2023 die Aktivitäten des World Wildlife Fund in Russland als „unerwünscht“ eingestuft. Diese Entscheidung folgte einer Ankündigung im März, in der der WWF als „ausländische Agenten“ eingestuft wurde.
Die Erklärung des Fonds auf der offiziellen Website besagt: „Seit der WWF 1989 seine Arbeit in Russland aufgenommen hat, haben die unglaublich engagierten Mitarbeiter:innen mehr als 1.000 Feldprojekte zum Schutz der Natur durchgeführt.“ (10)

Abschließend lässt sich sagen, dass Sibirien weiterhin eine der Schätze der wertvollsten Mineralien des Planeten ist. Das Verständnis dafür, wo sie lagern, wie man sie fördert und zum Wohle der Menschheit nutzt, wird es sowohl fortschrittliche Technologien entwickeln als auch eine einzigartige Natur bewahren. Und nicht nur diese Region, sondern auch viele andere reiche Regionen unseres Planeten. Denn nur mit vernünftiger Führung und mit der Beteiligung eines jeden von uns können wir versuchen, zukünftigen Generationen Wohlstand zu garantieren. Können wir es schaffen?

Jenissey Fluss im Winter

Literaturverzeichnis:

  1. Gold, Platin, Uran: Rohstoff-Schatzkammer Sibirien. Zugriff am 20.04.2024 unter https://www.mdr.de/geschichte/zeitgeschichte-gegenwart/rohstoffe-sibirien-ressourcen-100.html#:~:text=In%20der%20sibirischen%20Wildnis%20lagern,Periodensystems%20in%20Sibirien%20nachgewiesen%20werden 
  2. „Rosatom“ und „Norilsk Nickel“ beginnen mit der Lithiumgewinnung in der Region Murmansk. Zugriff am 21.04.2024 unter https://ttelegraf.ru/news/rosatom-i-nornikel-zajmutsya-dobychej-litiya-v-murmanskoj-oblasti/
  3. Das mineralische Rohstoffpotenzial der russischen Arktis. Hannover, 2012. Zugriff am 21.04.2024 unter https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-04.pdf?__blob=publicationFile&v=8
  4. Rost. Wie „Nornickel“ Taimyr in saftigen Gewinn verwandelt. Spezialbericht von Elena Kostyuchenko und Yuri Kozyrev. Zugriff am 21.04.2024 unter https://novayagazeta.ru/articles/2020/07/14/86265-rzhavchina (auf Russisch)Auf Englisch: Rust. How Nornickel is converting the Taymyr Peninsula into pure profit. A special investigation by Elena Kostyuchenko and Yury Kozyrev https://novayagazeta.ru/articles/2020/07/14/88974-rust
  5. Auf der Taimyr-Halbinsel ereignete sich an einer Anlage von Nornickel eine Undichtigkeit in einer Pipeline, wodurch 44,5 Tonnen Treibstoff ausliefen. Zugriff am 21.04.2024 unter https://meduza.io/news/2020/07/12/na-taymyre-na-predpriyatii-nornikelya-proizoshla-razgermetizatsiya-truboprovoda-vyteklo-20-tonn-aviatsionnogo-kerosina
  6. Ölkatastrophe in Russland: Ein Unglück kommt selten allein. Zugriff am 22.04.2024 unter https://www.spiegel.de/ausland/oel-katastrophe-in-der-arktis-diesel-fliesst-in-sibirischen-fluss-a-cc2e0959-543e-4b9e-b486-cd2f257423b9
  7. Der WWF hat die Verschmutzung von fast 1500 km sibirischen Flüssen wegen der Goldgewinnung erklärt. Zugriff am 22.04.2024 unter https://www.rbc.ru/society/11/07/2021/60e857c29a79477d8b5d9627 
  8. Goldene Schleppe. Vor einem Jahr wurde ein Arbeiterdorf in Sibirien mit Wasser abgewaschen. Zugriff am 22.04.2024 unter https://krsk.aif.ru/ekologiya/zolotoy_shleyf_chemu_nauchila_tragediya_na_seybe?from_inject=1 
  9. Sibirien: Weltgrößtes Goldvorkommen wird erschlossen. Zugriff am 22.04.2024 unter https://feingoldhandel.de/ratgeber/goldabbau-in-sibirien/)
  10. WWF Russland verlässt internationales WWF-Netzwerk. Ein düsterer Tag für den weltweiten Naturschutz. Zugriff am 22.04.2024 unter https://www.wwf.de/russland-verlaesst-wwf-netzwerk 

Bildverzeichnis:

  1. Baikalsee. Zugriff am 21.04.2024 unter https://sportishka.com/dostoprimechatelnosti/56961-bajkal-samoe-bolshoe-ozero-v-mire.html 
  2. Das mineralische Rohstoffpotenzial der russischen Arktis. Hannover, 2012. Seite 17. Zugriff am 21.04.2024 unter https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-04.pdf?__blob=publicationFile&v=8 
  3. „Polus Aldan“ erhöhte Goldproduktion in Jakutien. Zugriff am 21.04.2024 unter https://yk24.ru/ekonomika/polyus-aldan-narastil-obemy-dobychi-zolota-v-yakutii/ 
  4. „Eine Katastrophe für die Arktis.“ Was ist über den Spritverbrauch in Norilsk bekannt. Zugriff am 21.04.2024 unter https://www.bbc.com/russian/features-52926977 
  5. Sibirien: Weltgrößtes Goldvorkommen wird erschlossen. Zugriff am 22.04.2024 unter https://feingoldhandel.de/ratgeber/goldabbau-in-sibirien/). Foto vom russischen Katastrophenschutzministerium.
  6. Sibirien: Weltgrößtes Goldvorkommen wird erschlossen. Zugriff am 22.04.2024 unter https://feingoldhandel.de/ratgeber/goldabbau-in-sibirien/). Foto vom russischen Katastrophenschutzministerium.
  7. Eine Reise entlang des Jenissei. Zugriff am 22.04.2024 unter https://sportishka.com/dostoprimechatelnosti/57647-puteshestvie-po-reke-enisej.html