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Die dunkle Seite des Kobaltabbaus: Ein Blick auf die Bou-Azzer-Mine in Marokko

Der Abbau von kritischen Rohstoffen steht im Zentrum der globalen Debatte über Nachhaltigkeit und ethische Verantwortlichkeit in der Rohstoffversorgung. Die Bou-Azzer-Mine in Marokko ist ein erschreckendes Beispiel, das die erheblichen negativen Umweltauswirkungen und sozialen Missstände aufzeigt, die mit dem Abbau dieses kritischen Rohstoffs einhergehen. Die Bou-Azzer-Mine ist eine bedeutende Quelle für Kobalt, das beispielsweise in Batterien für Elektrofahrzeuge und Elektronik verwendet wird. Der Abbau dieses kritischen Rohstoffs kann jedoch erhebliche negative Umweltauswirkungen und soziale Konsequenzen haben, was in dieser Mine deutlich wird. (4)

Umweltbelastungen Die Bou-Azzer-Mine steht im Zentrum von Kontroversen wegen der massiven Umweltverschmutzung, die durch den Kobaltabbau verursacht wird. Besonders besorgniserregend sind die hohen Konzentrationen von Arsen in Boden und Wasser rund um die Mine. Die Probe aus der Mine zeigt einen Arsenwert von 18.900 Mikrogramm pro Liter, während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter für Trinkwasser empfiehlt. Auch in der sieben Kilometer entfernten Oase Sidi Blal ist das Wasser weiterhin stark mit Arsen belastet. Diese Verschmutzung resultiert aus der Verarbeitung von Kobaltarsenid, was nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der lokalen Bevölkerung gefährdet. Die Menschen in der Umgebung leiden unter schwerwiegenden Gesundheitsproblemen wie Hautkrankheiten und Atemwegserkrankungen​. (1)​​ (2)

Arbeitsbedingungen und soziale Auswirkungen Neben den ökologischen Problemen sind die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung erheblich. Die Arbeitsbedingungen in der Bou-Azzer-Mine sind extrem schlecht. Arbeiter berichten von unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen und mangelndem Arbeitsschutz. Es gibt kaum gewerkschaftliche Vertretung, und viele Arbeiter sind den toxischen Materialien ohne angemessenen Schutz ausgesetzt, was ihre Gesundheit dauerhaft schädigt. Dies führt zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate und verringert die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung​. ​ (1)​​ (2)

Reaktionen der Industrie Internationale Unternehmen wie BMW, die Kobalt aus der Bou-Azzer-Mine beziehen, stehen unter zunehmendem Druck, ihre Lieferketten nachhaltiger und ethisch vertretbarer zu gestalten. BMW hat Untersuchungen veranlasst und Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbedingungen eingeleitet. Dazu gehören die Einrichtung neuer Wasserbecken und Entwässerungssysteme, um die Arsenbelastung zu reduzieren und die Umwelt zu schützen.​ (2) (3)

Kritiker argumentieren, dass die Reaktionen von BMW und ähnlichen Unternehmen oft nicht ausreichen. Maßnahmen wie die erwähnten Umweltverbesserungen sind zwar Schritte in die richtige Richtung, doch werden sie häufig als PR-Maßnahmen kritisiert, die darauf abzielen, das Image der Unternehmen zu verbessern, ohne tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Es wird betont, dass Unternehmen wie BMW eine größere Verantwortung tragen, um sicherzustellen, dass die Rohstoffe, die sie verwenden, unter fairen und umweltfreundlichen Bedingungen abgebaut werden. Dies umfasst auch die Implementierung und Überwachung strengerer Standards entlang der gesamten Lieferkette und die Förderung der Rechte der Arbeiter vor Ort. (2) (3)

Kein Einzelfall Die Bou-Azzer-Mine ist kein Einzelfall. Weltweit kämpfen Gemeinschaften, die in der Nähe von Kobaltminen leben, mit ähnlichen Problemen. In vielen Fällen fehlen strenge Umweltvorschriften und die Durchsetzung von Arbeitsschutzgesetzen, was zu weit verbreiteten Missständen führt. Die globale Nachfrage nach Kobalt wächst weiter, insbesondere aufgrund des Booms bei Elektrofahrzeugen und elektronischen Geräten. Daher ist es entscheidend, dass internationale Standards und Überprüfungsmechanismen gestärkt werden, um die Umweltauswirkungen zu minimieren und die sozialen Bedingungen zu verbessern​ (1) (2) (3)

Fazit Der Kobaltabbau in der Bou-Azzer-Mine verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, die ökologischen und sozialen Folgen des Rohstoffabbaus zu adressieren. Unternehmen und Regierungen müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Gewinnung kritischer Rohstoffe wie Kobalt nicht auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der lokalen Bevölkerung erfolgt. Nur durch nachhaltige und ethische Praktiken können wir die negativen Auswirkungen des Kobaltabbaus minimieren und eine gerechtere Zukunft schaffen.

 

Literaturverzeichnis

(1)“Weltspiegel: Gefährliche Cobalt-Mine in Marokko.“ Das Erste, 14. Mai 2023, https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/Marokko-gefaehrliche-cobalt-mine-100.html.

(2) „BMW räumt Umweltprobleme in Kobalt-Mine ein.“ Tagesschau, 14. Mai 2023, https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/bmw-zulieferer-kobalt-marokko-100.html.

(3) „Elektromobilität – Schwere Vorwürfe gegen Zulieferer von BMW.“ Tagesschau, 14. Mai 2023, https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/umweltstandards-bmw-zulieferer-kobalt-marokko-100.html.

(4) „Bou-Azzer-Mine.“ Wikipedia, 14. Mai 2023, https://de.wikipedia.org/wiki/Bou-Azzer-Mine.

 

 

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