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Die Entwicklung der Abfallwirtschaft in Österreich: Der Weg zur Kreislaufwirtschaft

Habt ihr euch auch schon immer gefragt wie es zu unserem Müllentsorgungs- und Recyclingsystem gekommen ist? Uns interessieren im speziellen die kritischen Rohstoffe, die in Zukunft in einer Kreislaufwirtschaft nach der Benutzung wieder aufgearbeitet und in den Wirtschaftskreislauf integriert werden sollen. Wo befinden wir uns auf diesem Weg und wie sah der bisherige Entwicklung in Österreich aus?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 stand Österreich vor einer gewaltigen Herausforderung: Das Land war verwüstet, die Infrastruktur zerstört, und der Wiederaufbau erforderte enorme Anstrengungen auf allen Ebenen. In dieser Zeit erhielt die Abfallbeseitigung nur wenig Aufmerksamkeit. Doch mit der Gründung der Österreichischen Produktionsförderungsgesellschaft (ÖPG) im Jahr 1946, heute bekannt als Austria Recycling, wurde der Grundstein für eine strukturierte Abfallwirtschaft gelegt. Der Fokus lag damals vor allem auf der Sammlung von Papier und Altpapier, um knappe Ressourcen wie Holz zu schonen, das für die Papierherstellung benötigt wurde.

In den folgenden Jahren wurden erste Gesetze auf Gemeindeebene eingeführt, um die Abfallentsorgung zu regeln. Das erste Müllgesetz wurde 1954 in Vorarlberg verabschiedet und später von anderen Bundesländern übernommen. Es legte Regeln für die Müllsammlung, den Abtransport und die Gebühren fest.

Erst ab 1956 begann die Abfallbeseitigung systematisch Beachtung zu finden und wurde durch Gesetze gestärkt. Dennoch war die Situation noch weit von einer geregelten Abfallwirtschaft entfernt. Es gab immer noch unkontrollierte Ablagerungen von Müll in Gruben, Wäldern und Gewässern. Umweltschutz spielte damals eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum wirtschaftlichen Aufschwung und der Wiederherstellung des Landes.

Mit der Verabschiedung des Bundesgesetzes über die Entstehung eines Bundesministeriums für Gesundheit und Umweltschutz im Jahr 1971 wurde erstmals der Umweltschutz in die österreichische Rechtsordnung aufgenommen. Ein Jahr zuvor, 1970, wurde der Begriff „Recycling“ als Fachausdruck eingeführt. Diese Zeit markierte einen Wendepunkt in der Abfallwirtschaft Österreichs.

In den 1970er Jahren wuchs das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung, insbesondere durch das Aufkommen von Umweltorganisationen und die Ablehnung von Projekten wie dem Atomkraftwerk Zwentendorf in einer Volksabstimmung im Jahr 1978. Die Grüne Bewegung gewann an Bedeutung, und Widerstände gegen unkontrollierte Deponien und Müllverbrennungsanlagen wurden stärker.

Die erste umweltverträgliche Deponie Österreichs wurde 1977 bis 1979 in Halbenrain geplant und gebaut. Dies markierte einen wichtigen Schritt hin zu geordneten Deponien und weg von den wilden Ablagerungen.

Ab 1982 begann man in der Steiermark mit der getrennten Sammlung von Abfällen, zunächst von Altpapier und Altglas. Graz richtete als erste Stadt eine Müllberatungsstelle ein, um die Bevölkerung über Abfalltrennung, Sammlung und Wiederverwertung aufzuklären.

Das Steiermärkische Müllwirtschaftsgesetz von 1987 legte erstmals umweltgerechte und wirtschaftliche Maßnahmen zur Vermeidung, Sammlung, Verwertung und Entsorgung von Müll fest. Dies war ein wichtiger Schritt hin zu einer ganzheitlichen Abfallwirtschaft.

1990 trat das österreichische Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) in Kraft, das landesweite Bestimmungen für die Abfallwirtschaft festlegte. In den folgenden Jahren wurden weitere Gesetze und Verordnungen erlassen, um die Abfallwirtschaft weiter zu verbessern und an internationale Standards anzupassen.

Die Einführung der Verpackungsverordnung von 1992 und die Deponie-Verordnung von 1996 waren Meilensteine auf dem Weg zu einer effizienten Abfallwirtschaft. Sie legten Standards für die Rückgabe und Verwertung von Verpackungen fest und setzten Grenzen für die Deponierung von Abfällen. Auch der EU-Beitritt Österreichs brachte weitere standardisierte Regelungen.

Die Entwicklung der Abfallwirtschaft in Österreich in den letzten Jahrzehnten zeigt einen klaren Trend hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Gesetze, politisches Engagement und technologische Innovationen haben dazu beigetragen, dass Abfall nicht mehr als wertlos betrachtet wird, sondern als Ressource, die zurück in den Produktionskreislauf geführt werden kann. Die EU hat diesen Übergang zur Kreislaufwirtschaft als höchstes Ziel formuliert, und Österreich hat sich diesem Ziel angeschlossen, indem es seine Abfallwirtschaft kontinuierlich verbessert und an internationale Standards angepasst hat.

Im Rahmen der Entwicklung der Abfallwirtschaft in Österreich spielt die Frage nach kritischen Rohstoffen eine wichtige Rolle. Diese Rohstoffe sind essentiell für die moderne Technologie und Industrie, werden jedoch oft unter problematischen Bedingungen abgebaut und verarbeitet. Um die Abhängigkeit von diesen Rohstoffen zu verringern und die Umwelt zu schonen, ist es notwendig, sie aus bereits genutzten Produkten zu recyceln und erneut zu nutzen. Eine Kreislaufwirtschaft, wie sie in Österreich angestrebt wird, ist daher entscheidend, um kritische Rohstoffe zu schonen und nachhaltig zu nutzen. Durch klare Gesetze, Innovationen und das Bewusstsein der Bevölkerung kann Österreich seinen Weg zu einer effizienten Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben und einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

 

 

Quellen:

BRAUNGART, M.; MCDONOUGH, W. (2014): Cradle to Cradle. Einfach intelligent produzieren. 1. Aufl. München: Piper Verlag

 

GEISSDOERFER, M; SAVAGET, P.; BOCKEN, N.; HULTINK, E.J. (2017): The Circular Economy. A new sustainability paradigm? In: Journal of Cleaner Production 143, 2

 

HIMMEL, W. (2006): Die steirische Abfallwirtschaft. Graz: Fachabteilung 19D des Amtes der Steirischen Landesregierung

 

KLAMPFL-PERNOLD, H.; GELBMANN, U. (2006): Quantensprünge in der Abfallwirtschaft. Entwicklung eines innovationsorientierten Phasenmodells der europäischen Abfallwirtschaft. Aachen: Shaker

https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/6331147?originalFilename=true