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Elektroschrott in unseren Schubladen

Diese Woche haben wir schon einiges darüber gehört, was genau kritische Rohstoffe und seltene Erden eigentlich sind und wofür diese verwendet werden. Heute möchten wir euch zeigen, dass jeder von uns im Alltag mit genau diesen kritischen Rohstoffen zu tun hat und vor allem einen nicht unerheblichen Teil bei sich Zuhause in der Schublade hat.

Wir alle haben Elektroaltgeräte daheim, die kritische Rohstoffe enthalten und die oft seit Jahren nicht genutzt werden: alte und/oder kaputte Smartphones, Laptops, Radios, Festplatten etc. Unterhaltungselektronik ist meist recht kurzlebig und wird rapide weiterentwickelt, so sammelt sich hier noch schneller Abfall an.

Welche kritischen Rohstoffe sind denn nun darin enthalten?

Hier ein paar Beispiele von Elektroaltgeräten und die darin enthaltenen kritischen Rohstoffe:

  • Smartphones: In einem Smartphone sind ungefähr 60 verschiedene Metalle enthalten, darunter einige kritische Rohstoffe. Kobalt sorgt für die Energiedichte im Akku, Wolfram auf Leiterplatten zur Vibration, Niob, Indium im Display, Tantal in Leuchtioden und in der Leiterplatte, Kupfer, Aluminium, Nickel und Lithium in Akkus, Strontium, Palladium, Platin, Neodym im Permanentmagneten, Dysprosium, Gadolinium, Gallium, Indiumzinnoxidschicht (ITO) im Touchscreen (Indium ist momentan nicht mehr auf der Liste der kritischen Rohstoffe, wurde aber darauf geführt und könnte in den nächsten Jahren wieder als solcher eingestuft werden) (1)
  • Laptops: Tantal in Leiterplatten, ITO im LCD-Bildschirm, Neodym in Permanentmagneten, Kobalt und Lithium im Akku, Yttrium, Gallium, Gadolinium, Cer, Europium, Lanthan, Terbium in der Hintergrundbeleuchtung
  • Chips/Halbleiter: Die Halbleiterherstellung braucht Silane. Deren Hauptbestandteil ist Silizium. Später entstehen daraus Halbleiter. Für die Fertigstellung benötigt man aber einige kritische Rohstoffe wie Antimon, Arsen, Bor, Germanium oder Phosphor.
  • Fernseher/Flachbildschirme: ITO, Seltene Erden wie Yttrium, Cer, Lanthan, Terbium
  • Spielkonsolen: Metalle der Platingruppe wie Palladium und Platin
  • Drucker/Kopierer: Kupfer in Kabeln, Gallium, Germanium auf Leiterplatten
    (2)

In dieser Abbildung sind die wichtigsten kritischen Rohstoffe und Metalle aufgezählt, die in den einzelnen Teilen eines Smartphones verbaut sind:

Somit sieht man, dass Altgeräte ein hohes Rohstoffpotenzial aufweisen. Momentan geht ein großer Teil der kritischen Rohstoffe in Elektroaltgeräten verloren, da diese unbenutzt herumliegen und nicht entsorgt werden. Eine Gegenmaßnahme ist es, eine gute Infrastruktur zur Sammlung und Recycling dieser Geräte zu schaffen, hierbei gibt es auch rechtliche Rahmenbedingungen (WEE-Richtlinie). Urban Mining ist ein anderes aktuelles Schlagwort. Auf die Chancen aber auch Komplikationen zu dieser Thematik gehen wir in den nächsten Wochen noch genauer ein.

Was also tun mit Elektroaltgeräten?

Hier sind einige Tipps, wie man Elektroaltgeräte richtig entsorgt:

  • Separate Sammlung von Elektroaltgeräten: E-Waste sollte nicht im normalen Hausmüll entsorgt werden und getrennt von anderen Abfällen gesammelt werden bevor diese entsorgt werden. Besonders wichtig ist es, Batterien und Akkus aus den Geräten zu entfernen. Diese können in eigenen Sammelboxen in Supermärkten abgegeben werden.
  • Rückgabe im Handel: Immer mehr Geschäfte und Elektronikfachmärkte bieten Rücknahmesysteme für Elektroaltgeräte an. Man kann dort sein altes Gerät abgeben, dies ist aber meist mit einem Neukauf verbunden (bei Neukauf gibt es eine kostenlose Rücknahmepflicht).
  • Kommunale Sammelstellen/Altstoffsammelzentren: Eine meist kostenlose Abgabe von diversen Problemstoffen, unter anderem Elektroaltgeräte, gibt es flächendeckend in Österreich mehrmals in jedem Bezirk. In Graz ist eine Abgabe in der zentralen Sammelstelle, im Ressourcenpark sowie in der Zentralfeuerwache möglich. Hier erfahren Sie mehr zu den Öffnungszeiten.
  • Spenden: Eine bekannte Initiative ist die Ö3 Wundertüte . Dabei können funktionierende sowie auch defekte Smartphones eingeschickt werden. Diese werden entweder aufbereitet und weiterverkauft oder fachgerecht recycelt. Der Erlös kommt karitativen Zwecken zugute.

 

 

Quellen:

(1) Bookhagen, B., Bastian, D., Buchholz, P., Faulstich, M., Opper, C., Irrgeher, J., Prohaska, T., Koeberl, C. (2020): Metallic Resources in Smartphones. Resources Policy. Vol 60. https://doi. org/10.1016/j.resourpol.2020.101750

(2) Buchert, M., Manhart, A., Bleher, D., Pingel, D. (2012). Recycling kritischer Rohstoffe aus Elektronik-Altgeräten. In K.-D. Koß & Dr. M. Oberdörfer (Hrsg.), LANUV-Fachbericht 38. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Recklinghausen. 2012. https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/3_fachberichte/30038.pdf (abgerufen am 02.04.2024).

Beitragsbild von Freepik

Quelle Abbildung: Bookhagen, B., Bastian, D. (2020). Metalle in Smartphones. Commodity TopNews. Vol 65. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Hannover. 2020. https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Rohstoffwirtschaft/65_smartphones.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (abgerufen am 02.04.2024)