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Exkursion Wolfram Bergbau und Hütten AG

Am Montag, den 22. April durften wir im Rahmen einer Exkursion die Wolfram Bergbau und Hütten AG in Sankt Martin im Sulmtal besichtigen.

Wir begannen unsere Exkursion  6:45 in der Früh und fuhren mit dem Zug durch die Südweststeiermark nach Sankt Martin. Nach einem kurzen Fußweg erreichten wir auch schon unser Ziel. Erster Programmpunkt des Tages war die Präsentation des Rohstoffes Wolfram, der Firmengeschichte der Wolfram Bergbau und Hütten Ag und der Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffes. Hierbei erfuhren wir z.B., dass Wolfram zur Herstellung verschiedenster Werkzeuge und sogar zum Fertigen von Handylinsen eingesetzt wird.

Als Nächstes durften wir den Betrieb besichtigen, wobei uns alle Prozesse, die zur Herstellung unterschiedlicher Wolfram Pulver benötigt werden, gezeigt wurden. Uns wurde offen gezeigt, welcher Herstellungsschritt welche Ressourcen und Materialien erfordert. Im Betrieb wird  auch ein hoher Anteil an recycelten Rohstoffen eingesetzt. (1)

Danach wurde uns der Blickwinkel der Wolfram Bergbau und Hütten AG auf das Lieferkettengesetz der EU erläutert. Es wurden auch die Projekte des Betriebes im Ausland, u.a. in Ruanda präsentiert, wobei auch versucht wurde, den Ruf von „Artisanal Mining“ zu verbessern. Beim „Artisanal Mining“ oder Kleinbergbau werden im kleinen Rahmen, oft ohne professionelle Werkzeuge Rohstoffe abgebaut. Dies geschieht oft in Ländern des globalen Südens und birgt sowohl Potenziale zur Verbesserung der Lebensumstände der dort lebenden Menschen als auch gesundheitliche Risiken und prekäre Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen. (2)

Als letzter Programmpunkt folgte die Präsentation unserer Sichtweise auf das Liefergesetz der EU und dessen Auswirkungen. Die Haupterkenntnisse unserer Präsentation möchten wir auch im Folgenden beschreiben:

Das Lieferkettengesetz aus sozialer Perspektive 

Die Europäische Union hat vor kurzem ein neues Lieferkettengesetz beschlossen. Wir stellen uns nun die Frage, was das Gesetz aus sozialer und kultureller Perspektive bedeutet, und möchten einige mögliche Auswirkungen darstellen.  Da es sich um Prognosen handelt, und tatsächliche Auswirkungen schwer abschätzbar sind, beziehen wir uns vor allem auf Stellungnahmen von NGO´s, die sich zum Lieferkettengesetz positioniert haben.  

Grundsätzlich ist das Lieferkettengesetz ein rechtlicher Rahmen, der darauf abzielt, die Verantwortung von Unternehmen entlang ihrer globalen Lieferketten zu stärken. Es soll sicherstellen, dass Unternehmen Menschenrechte und Umweltstandards auch bei ihren Geschäftspartnern und Zulieferern respektieren und durchsetzen. Das könnte bedeuten, dass Firmen im engeren Austausch mit globalen Handelspartner*innen agieren und Verantwortung für Arbeitsbedingungen in ihren Lieferkette übernehmen. Durch die Einführung zivilrechtlicher Haftung könnten Unternehmen für weltweit verursachte Schäden vor EU-Gerichten belangt werden. Dies eröffnet Betroffenen und ihren Familien verbesserte Möglichkeiten zur Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen, NGO´s könnten sie dabei beispielsweise vor Gericht vertreten. Man kann deshalb davon ausgehen, dass Menschenrechtsverletzungen erkannt und behoben, sowie Arbeitsbedingungen sich für Menschen im Globalen Süden verbessern. Leben und Arbeiten wären somit in Würde möglich! (3) 

Allerdings gibt es auch aus sozialer Perspektive Kritik. Die Überwachung der gesamten Lieferkette ist schwer umsetzbar, außerdem wurde im jüngsten Gesetzesentwurf festgelegt, dass nur große Unternehmen (mit mehr als 1000 Mitarbeiter*innen und mehr als 450 Millionen Umsatz im Jahr) davon betroffen sind. (4) Weiters stellt sich für uns die Frage, inwiefern Menschenrechte und Umweltschutz mit wirtschaftlichem Wachstum und Profitmaximierung vereinbar sind. Trotz berechtigter Kritik kann das Lieferkettengesetz ein Schritt in die richtige Richtung sein, um gerechtere Verhältnisse in globalen Lieferketten zu schaffen! 

Die NGO Südwind beschäftigt sich in einem Faktencheck mit Fragestellungen rund um dieses Thema-hier geht´s zur Website: https://www.suedwind.at/presseaussendungen/2023/faktencheck-eu-lieferkettengesetz/#:~:text=Zivilrechtliche%20Haftung,wenn%20sie%20es%20nicht%20tun 

 

Literaturverzeichnis 

(1) https://www.wolfram.at/

(2) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Deutschland (2024): Artisanaler und Kleinbergbau. Abrufbar unter: https://rue.bmz.de/rue/themen/kleinbergbau-8661

(3) Südwind (2023): Faktencheck EU-Lieferkettengesetz. Abrufbar unter: https://www.suedwind.at/presseaussendungen/2023/faktencheck-eu-lieferkettengesetz/#:~:text=Zivilrechtliche%20Haftung,wenn%20sie%20es%20nicht%20tun. 

(4) taz, die tageszeitung (2024): EU-Staaten für Lieferkettengesetz: Deutschland überstimmt. Abrufbar unter: https://taz.de/EU-Staaten-fuer-Lieferkettengesetz/!5998529/