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Was hat Ökofeminismus mit kritischen Rohstoffen zu tun?

Bei Feminismus denken jetzt viele vermutlich an Beschäftigungszahlen. Um diese auch mal kurz für Österreich zu bedienen: im Jahr 2023 waren im Fachverband BERGWERKE UND STAHL 11,4 %; in den BERGWERKEN 17,7 % und in der EISEN- UND STAHLERZEUGUNG 10,6 % Frauen beschäftigt – alle Zahlen inklusive der geringfügig Beschäftigten. Was diese Zahlen nicht aussagen: in welcher Position die Frauen beschäftigt waren. Ob im Bergwerk im Umgang mit schweren Maschinen oder doch eher in der Verwaltung.
Beim Besuch der Wolfram AG haben wir auf jeden Fall Frauen in unterschiedlichen Positionen gesehen.

Ökofeministische Perspektive auf den Abbau von Kritischen Rohstoffen

Aber Feminismus bedeutet an dieser Stelle noch viel mehr. Insbesondere der Ökofeminismus beschäftigt sich zum einen mit Themen der Gleichstellung und verknüpft sie beispielsweise mit Themen der Umweltgerechtigkeit.  

Zum einen steht der Abbau von Kritischen Rohstoffen häufig im Zusammenhang mit Umweltzerstörung. Diese führen häufig zu einer Verschmutzung von Wasser und Luft, zerstören Ökosysteme und bedrohen den Lebensraum von indigenen Gemeinschaften. Frauen sind dabei oft stärker betroffen, da sie insbesondere in Ländern des Globalen Südens für die Versorgung ihrer Familien verantwortlich sind, so zum Beispiel die Beschaffung von Trinkwasser. 

Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in den Bergwerken meist gefährlich und noch dazu schlecht bezahlt. Da in vielen Ländern Frauen immer noch einen schlechteren Zugang zu Bildung haben, sind sie häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen gefangen und haben kaum Zugang zu sozialen Sicherungssystemen. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Kritische Rohstoffe meist in den Ländern des Globalen Südens abgebaut werden, die Gewinne damit fließen aber in den Industrieländern. Das führt zu einer strukturellen Ungleichheit zwischen Globalem Süden und Globalem Norden, den wir demnächst auch noch genauer beleuchten werden. 

Wie wir im Beitrag zu den Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften auch schon deutlich gemacht haben regt sich vielerorts Widerstand gegen den Abbau von Kritischen Rohstoffen mit seinen schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Dabei spielen Frauen meist eine zentrale Rolle, da sie direkt von den Auswirkungen betroffen sind und gleichzeitig über ein großes Wissen über regionale Ökosysteme und die traditionellen Praktiken der einheimischen Bevölkerung verfügen. 

 

Im Allgemeinen versucht die ökofeministische Perspektive diese Punkte miteinander zu verbinden im Kampf gegen Ungleichheit und Ausbeutung von Natur und Menschen. Daher fordert sie eine Transformation der aktuellen Entwicklungs- und Wirtschaftsmodelle hin zu einem Ansatz, welcher Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Gendergleichheit verknüpft. 

 

 

Quellen: 

(1) WKO Statistik Österreich. Bergwerke und Stahl: Branchendaten (2024). https://www.wko.at/statistik/BranchenFV/b-201.pdf (Zugriff am 7. Mai 2024) 

(2) Di Chiro, G. (1995): Nature as Community: The Convergence of Environmental and Social Justice. In: Cronon, W.: Uncommun Ground: Towards Reinventing Nature. P. 298-320.

(3) Lau, J. et al. (2021): Gender equality in climate policy and practice hindered by assumptions. Nature climate change. 11: 186-192.

(4) Truelove, Y. (2011): (Re-)conceptualizing water inequality in Delhi, India through a feminist political ecology framework. Geoforum 41: 143-152.

Beitragsbild: https://unsplash.com/de/fotos/ein-paar-frauen-sitzen-nebeneinander-und-halten-schilder-YqURND638J0