Wo kann man als junge Frau oder als Mädchen hingehen, wenn zuhause alles zu viel wird? Wenn man einen Rückzugsort braucht, jemanden zum Reden oder einfach einen ruhigen Ort zum Lernen und Entfalten sucht? Genau für solche Momente gibt es das JAM: ein Zentrum in Graz, das Schutzraum, Begegnungsort und Entwicklungsraum zugleich ist.
In einer eher versteckten Seitengasse mitten in der Stadt befindet sich das JAM: ein Projekt des Vereins Mafalda. Der Name „Mafalda“ stammt von einer Comicfigur: ein kleines Mädchen mit feministischen und linkes- politischen Ansichten. „JAM“ bedeutet übersetzt: Ja, Mädchen.
Den Verein Mafalda gibt es schon seit vielen Jahren, das JAM selbst seit etwa 15 Jahren. Es wurde 2010 als Projekt gegründet. In ganz Österreich gibt es derzeit nur drei Mädchenjugendzentren. Das JAM ist eine kostenlose, niederschwellige pädagogische Einrichtung für Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 21 Jahren. Es ist ein offener Raum: man kann einfach kommen, ohne Anmeldung. Die Führung durch die Räumlichkeiten wurde von einer Jugendlichen selbst übernommen: ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Mitbestimmung hier gelebt wird.Die Einrichtung ist in verschiedene Bereiche gegliedert: Es gibt einen Ruheraum, einen Lernraum, einen Fotoraum und einen Mehrzweckraum, auch „Lernbar“ genannt. Dort findet unter anderem Hausaufgabenbetreuung statt: begleitet von pädagogisch geschultem Personal in Kooperation mit der Caritas. Zusätzlich gibt es Zugang zu PCs und Lernmaterialien. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Kreativwerkstatt: ausgestattet mit Nähmaschinen, Farben und Bastelmaterialien. Hier können sich die Besucherinnen künstlerisch entfalten: ohne Materialkosten. Ergänzt wird das Angebot durch einen Entspannungsraum mit Medien wie Streamingdiensten, DVDs und einer Spielkonsole sowie durch Fotomöglichkeiten, einen kleinen Escaperoom und einen Barbereich.Solche Räume sind besonders wichtig für Mädchen und junge Frauen, deren Wohnsituation keinen Rückzugsort bietet.
Neben den offenen Angeboten gibt es auch regelmäßige Programme: monatliche Kochaktionen, Kleidertausch, Ausflüge in Museen oder Naturgebiete sowie ein Ferienprogramm in den Sommermonaten. Ein zentrales Element ist der JAM Talk: dieser findet monatlich statt und bietet Raum für Wünsche, Ideen und Anliegen. Diese werden gemeinsam besprochen, demokratisch diskutiert und dokumentiert.Ein weiterer zentraler Bereich ist die Beratung: Diese richtet sich an Mädchen und junge Frauen bis 25 Jahre und ist anonym, kostenlos und vertraulich. Die Themen sind vielfältig: von sexualpädagogischen Fragen über Alltagsbewältigung bis hin zu Berufsorientierung. Das Team besteht aus Fachkräften aus Sozialarbeit, Psychologie und Pädagogik. Darüber hinaus engagiert sich der Verein in verschiedenen Bildungsprojekten: etwa im Frauenberufszentrum zur Lehrstellenvermittlung, in Modulen zur beruflichen Orientierung oder in Basisbildungsangeboten zur Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss. Ergänzend gibt es Workshops an Schulen und Berufsinfozentren: mit Schwerpunkten auf Gleichstellung, Technik und Berufsorientierung.Die Finanzierung erfolgt über Mittel der Stadt und des Landes sowie über projektbezogene Förderungen. Gleichzeitig ist die finanzielle Situation zunehmend angespannt: politische Entwicklungen gefährden die Unterstützung sozialer Einrichtungen. Weitere Mittel kommen durch private Spenden sowie durch lokale Initiativen.Im Alltag wird das JAM meist von zwei Betreuerinnen begleitet: täglich besuchen bis zu zwanzig Mädchen und junge Frauen das Zentrum. Insgesamt arbeiten mehrere Mitarbeiterinnen im Verein. Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt über soziale Medien sowie über persönliche Weiterempfehlungen.Besondere Aktionen sind zum Beispiel die tägliche Toastspende: jede Besucherin bekommt einen kostenlosen Snack. Zu Weihnachten wird der Raum festlich gestaltet und es werden Geschenke organisiert.
Was viele ins JAM bringt, ist das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Austausch und neuen Perspektiven. Freundschaften entstehen: ebenso wie ein Gefühl von Zugehörigkeit. Ein Beispiel dafür ist eine gemeinsame Playlist: erstellt von den Besucherinnen selbst.
Das JAM ist mehr als nur ein Ort: es ist ein geschützter Raum, in dem Mädchen und junge Frauen Unterstützung finden, sich entfalten können und gehört werden. (SDG 5)
Quellen
Eigene Mitschrift bei Besuch und Vorstellung des Jams. Mitgeschrieben durch Erklärung von Betreuerinnen und Besucherinnen selbst.
Mafalda – Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen. (o. D.). Mafalda. Abgerufen am 25.4. 2026, von https://www.mafalda.at.
Mafalda – Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen. (o. D.). JA.M – Mädchenzentrum. Abgerufen am 25.4. 2026, von https://www.mafalda.at/maedchenbereich/ja-m-maedchenzentrum/
