Was wäre, wenn sich unser Alltag plötzlich komplett verändert? Wenn Wasser knapp wird, Ernten ausfallen und extreme Wetterereignisse zur Normalität gehören? Für viele Menschen weltweit ist genau das bereits Realität. Doch diese Entwicklungen betreffen nicht alle gleich. Die Erfahrungen, die Menschen auf der ganzen Welt mit dem Klimawandel und Klimaveränderungen machen, ist stark geprägt von unter anderem dem Standort, dem sozialen sowie ökonomischen Status, als auch der Geschlechtszuschreibung.
Der Klimawandel ist längst nicht nur ein Umweltproblem, sondern hat tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Besonders hart trifft es Menschen, die ohnehin in prekären Lebensverhältnissen leben, zu denen weltweit überdurchschnittlich häufig Frauen* und Mädchen*zählen.(1)
Ein Grund dafür liegt in bestehenden gesellschaftlichen Strukturen: In vielen Teilen der Welt haben Frauen* weniger Zugang zu Bildung, Einkommen, Land oder politischen Entscheidungsprozessen. Diese Ungleichheiten verschärfen sich durch die Folgen des Klimawandels zusätzlich.. (2)
Das zeigt sich ganz konkret im Alltag:
🌾 In der Landwirtschaft, wo viele Frauen* arbeiten, führen veränderte Klimabedingungen zu höheren Belastungen. Gleichzeitig fehlen oft Ressourcen wie Land oder finanzielle Unterstützung. (3)
🍲 Auch die Ernährungssicherheit wird unsicherer. Frauen* sind häufiger von Unterernährung betroffen und tragen gleichzeitig meist die Verantwortung für die Versorgung der Familie. (4)
💧 Wasser und Energie werden knapper. Aufgaben, die vielerorts vor allem Frauen* übernehmen, werden dadurch noch zeit- und kräfteintensiver. (5)
🌪️ Bei Naturkatastrophen zeigt sich ebenfalls ein klares Bild: Besonders arme Bevölkerungsgruppen sind stärker betroffen und innerhalb dieser Gruppen wiederum oft Frauen* vermehrt. (6)
Ein entscheidender Faktor ist der eingeschränkte Zugang zu Ressourcen, denen patricharchale gesellschaftliche Strukturen zugrunde liegen. Wer weniger finanzielle Mittel, weniger Rechte und weniger Einfluss hat, kann sich auch schlechter an veränderte Bedingungen anpassen. Genau das ist bei vielen Frauen* der Fall. (7)
Der Klimawandel verstärkt bestehende Ungleichheiten und trägt dazu bei, dass Armut weiter zunimmt, besonders dort, wo Menschen ohnehin wenig Handlungsspielraum haben. (8)
Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Frauen* nicht nur von diesen Entwicklungen betroffen sind, sondern auch eine wichtige Rolle im Umgang damit spielen. In vielen Regionen tragen sie aktiv zu Anpassungsstrategien und nachhaltigen Lösungen bei, auch wenn ihre Beiträge oft wenig sichtbar sind. (9)
Was nehmen wir daraus mit?
Wenn wir über den Klimawandel sprechen, sollten wir immer auch soziale Ungleichheiten, globale Machtstrukturen, Geschlecht, sowie damit verbundene Rollenzuschreibungen und Armut mitdenken. Denn nur wenn alle Perspektiven berücksichtigt werden, können Lösungen entstehen, die wirklich nachhaltig und gerecht sind.
Ganz im Sinne von „Leave no one behind“ geht es letztlich darum, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht oder Lebenssituation, die Chance auf ein sicheres und würdiges Leben haben. 🌱
Bis nächste Woche! 👋
Quellen:
1) Bauriedl, Sybille (2019): Klimawandel, Migration und Geschlechterverhältnisse. Online verfügbar unter https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/283411/klimawandel-migration-und-geschlechterverhaeltnisse/, zuletzt geprüft am 8.4.2026.
Weller, Ines (2019): Gender & Environment: Geschlechterforschung im Kontext Ökologie, Umwelt, Nachhaltigkeit. In: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf und Katja Sabisch (Hg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung: Springer VS, S. 873–880.
IPCC (2021b): Summary for Policymakers. In: IPCC (Hg.): Climate Change 2021. The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA: Cambridge University Press, S. 3–32.
2) Awiti, Alex O. (2022): Climate Change and Gender in Africa: A Review of Impact and Gender-Responsive Solutions. In: Frontiers in Climate 4.
3)Goh, A.H.X. (2012): A Literature Review of the Gender-Differentiated Impacts of Climate Change on Women’s and Men’s Assets and Well-Being in Developing Countries. Hg. v. Research Institute, International Food Policy. Washington, DC.
4) FAO; IFAD; UNICEF; WFP; WHO: The state of food security and nutrition in the world 2022. Repurposing food and agricultural policies to make healthy diets more affordable. Rome.
5) FAO (2023): The status of women in agrifood systems. Rome. Online verfügbar unter https://www.fao.org/3/cc5343en/cc5343en.pdf, zuletzt geprüft am 8.4.2026.
6) Prescott, Jody (2019): Armed conflict, women and climate change. Abingdon, New York: Routledge.
7) Kenner, Lukas; Kenner, Samuel; Prainsack, Barbara; Wallner, Peter; Lemmerer, Kathrin; Weitensfelder, Lisbeth; Hutter, Hans-Peter (2022): Die Klimakrise als ethische Herausforderung. In: Wiener medizinische Wochenschrift (1946), S. 1–7, zuletzt geprüft am 12.4.06.2026.
8) IPCC (2022b): Summary for policymakers. In: IPCC (Hg.): Climate Change 2022: Impacts, Adaption an Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge, UK and New York, USA: Cambridge Unniversity Press, S. 3–33.
9) Betz, Joachim (2021): Frauen und Entwicklung. In: Joachim Betz (Hg.): Entwicklungspolitik. Eine Einführung in Zielsetzungen und Ergebnisse. Wiesbaden: Springer VS, S. 155–166.
