Wie in den vergangenen Beiträgen dieses Blogs mehrfach thematisiert, steht die Modeindustrie exemplarisch für die Problematik globaler Abfallströme. Insbesondere kurzlebige Konsumtrends und eine auf schnelle Produktion ausgelegte Modeindustrie tragen dazu bei, dass Kleidungsstücke ihren Wert immer schneller verlieren. Vor diesem Hintergrund freuen sich Second-Hand-Unternehmen zunehmend an Beliebtheit, da er bestehende Ressourcen länger im Kreislauf hält.
Plattformen und Second-Hand-Unternehmen wie Vinted, Carla und Humana werden häufig als Teil der Lösung im Umgang mit Textilmüll & FastFashion Trends wahrgenommen. Gleichzeitig ist aber auch bei diesen Modellen eine differenzierte Betrachtung notwendig. Vinted etwa hat sich in den letzten Jahren zu einer der größten Second-Hand-Plattformen Europas entwickelt und ermöglicht es NutzerInnen, gebrauchte Kleidung unkompliziert weiterzuverkaufen. Dadurch wird zwar die Lebensdauer von Kleidungsstücken verlängert, jedoch bleibt das Geschäftsmodell stark auf Wachstum und Konsum ausgerichtet. Kritisch zu betrachten ist insbesondere, dass der einfache Weiterverkauf den Neukauf von Kleidung nicht zwangsläufig ersetzt, sondern teilweise sogar fördert indem Platz für neue Kleidungsstücke geschaffen wird. Second-Hand ist hier nicht immer die Alternative, sondern kann auch als Ergänzung zum bestehenden Konsumverhalten fungieren.
Im Gegensatz dazu verfolgt Carla, das Second-Hand-Format der Caritas, einen stärker lokalen und sozial ausgerichteten Ansatz. Die angebotenen Waren stammen überwiegend aus Spenden und werden in regionalen Shops weiterverkauft. Dadurch wird Textilabfall vermieden und gleichzeitig ein sozialer Mehrwert geschaffen wie in etwa durch die Beschäftigung von Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Dennoch ist auch dieses Modell nicht frei von Herausforderungen. Die Qualität und Menge der gespendeten Kleidung hängt stark vom allgemeinen Konsumverhalten ab, wodurch Carla indirekt ebenfalls von Überproduktion profitiert. Nachhaltigkeit entsteht hier weniger durch eine Reduktion von Produktion, sondern durch die bestmögliche Weiterverwendung bestehender Überschüsse.
Humana bewegt sich in einem ähnlichen Spannungsfeld, allerdings auf internationaler Ebene. Das Unternehmen sammelt und verkauft gebrauchte Kleidung, verwendet die Erlöse zur Finanzierung sozial- und entwicklungspolitischer Projekte. Positiv hervorzuheben ist die Wiederverwertung großer Textilmengen, gleichzeitig steht Humana aber immer wieder in der Kritik, da nicht alle gesammelten Kleidungsstücke lokal weiterverwendet werden, sondern in globale Verwertungsketten gelangen. Dies wirft Fragen nach Transparenz und tatsächlicher Abfallvermeidung auf, insbesondere im Hinblick auf den Export von Altkleidung in Länder des globalen Südens.
Insgesamt zeigen diese Beispiele, dass Second-Hand-Modelle zwar einen wichtigen Beitrag zur Verlängerung von Produktlebenszyklen leisten können, jedoch keine umfassende Lösung für das Problem von Fashion Waste & FastFashion an sich darstellen. Sie bewegen sich innerhalb eines Systems, das weiterhin auf hohen Konsum ausgelegt ist und können dieses nur begrenzt verändern. Dennoch bieten sie Ansätze, um zumindest Teile der textilen Abfallproblematik abzufedern und KonsumentInnen für einen bewussteren Umgang mit Kleidung zu sensibilisieren.
Quellen
Baden, S., & Barber, S. (2019). Global second-hand clothing trade: Social and environmental impacts. International Journal of Fashion Studies, 6(2), 127–145.
Caritas Österreich. (2026). Carla – Die Caritas Second-Hand-Shops.
https://www.carla.at
Caritas Österreich. (2026). Nachhaltigkeit und Beschäftigung.
https://www.caritas.at
Caritas Steiermark. (2026). Carla Steiermark.
https://www.caritas-steiermark.at
Humana Österreich. (2026). Humana Österreich.
https://www.humana.at
Kastner, C. (2021). Second-hand platforms and consumer behavior: Opportunities and limitations. Journal of Sustainable Fashion Studies, 3(1), 45–60.
Vinted. (2026). About us.
https://www.vinted.com/about
Vinted. (2026). Vinted Österreich.
https://www.vinted.at
