Unser Praktikumstag begann mit der Ankunft im ECOPORT. Müllkunst im Eingangs- und Empfangsbereich sowie Kinderkunst mit Motiven rund um die Firma Saubermacher zeigten ein sympathisches Bild von einem Unternehmen, das in den Anfängen mit fünf Mitarbeitern startete und nun rund 3.800 Beschäftigte hat.
Nach dem Ausfassen der Arbeitskleidung fuhren wir weiter zum Standort Premstätten. Dort wurden wir freundlich empfangen und erhielten einen umfassenden Überblick über die Daten, Zahlen und Fakten zum Standort. Die anschließende Sicherheitsunterweisung absolvierten wir bravourös und konnten direkt in die Praxis starten.
„Keine Angst, ihr könnt nichts kaputt machen“
Im Bereich EAG durften wir an drei verschiedenen Stationen mitarbeiten: Zerlegung von Röhrenfernsehern, Elektrokleingeräten und Computern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklärten uns, wie eine fachgerechte Zerlegung funktioniert, wie weitere Verwertungswege aussehen und welche Strecken die Einzelteile zurücklegen, um aufbereitet zu werden.
Unter der Anleitung der Kolleg*innen aus dem Bereich Zerlegung starteten wir durch und mussten schnell feststellen, wir brauchen ewig. Die Handgriffe der Kolleg*innen, die täglich in der Zerteilung arbeiten, sitzen, und wir verlangsamten den Arbeitsalltag der Mitarbeiter*innen. Dennoch nahmen sich die Mitarbeiter*innen viel Zeit, um uns zu zeigen, wie eine fachgerechte Zerlegung funktioniert, erklärten uns, welche Verwertungsmöglichkeiten es gibt und welche Strecken Einzelteile zurücklegen, um aufbereitet zu werden.
Besonders bei der Zerlegung von Computern wurde deutlich, aus wie vielen Einzelteilen ein solches Gerät besteht und wie sorgfältig die getrennte Entsorgung erfolgen muss. So setzt sich etwa eine Computerhülle aus Kunststoff, Eisen und Aluminium zusammen. Im Inneren sind die Kabel zu entfernen, Platinen werden nach Kategorien sortiert, Netzteile und Festplatten kommen in eigene Container und sogar die Lüfter werden in ihre Einzelteile zerlegt.
Zu sehen, wie viele Edelmetalle und mögliche sekundäre Rohstoffe in einem alten Computer stecken, verdeutlichte uns, wie viel Potenzial in der Wiederaufbereitung dieser Materialien liegt.
Beeindruckende Fakten aus dem Betrieb
Während unseres Aufenthalts erfuhren wir zahlreiche Fakten, die uns staunen ließen:
- Die Betriebsanlage muss über 1.000 behördliche Auflagen erfüllen.
- Hauptursachen für Brände im Betrieb sind Lithiumanteile in Batterien. Im Notfall ist die Freiwillige Feuerwehr jedoch innerhalb von acht Minuten vor Ort.
- Insgesamt gibt es 14 verschiedene Sorten von Batterien.
- Am Standort werden täglich rund 13–14 Tonnen Batterien sortiert, davon sind etwa 10 Tonnen Haushaltsbatterien. Die Sortierung erfolgt teilweise händisch, teilweise mithilfe eines speziell entwickelten Röntgengeräts.
- Wöchentlich werden etwa 350 Röhrenfernseher zerlegt, die aus der Steiermark, Kärnten und dem südliche Burgenland stammen.
- Ein nicht unbeachtlicher Teil der Elektrokleingeräte wird entsorgt obwohl sie noch funktionstüchtig wären. Als Abfallbetrieb ist man jedoch zur Vernichtung und Entsorgung verpflichtet.
- Bestimmte Unternehmen mit sensiblen Daten bringen Computer, die ausschließlich von ausgewählten Mitarbeiter*innen zerlegt werden dürfen. Die Daten auf den Festplatten werden dabei in einem Zerkleinerer zerstört. Auch Privatpersonen können ihre Festplatten vorbeibringen (man erzählt, bei besonders brisanten Daten würde der/die Abgeberin den Zerstörungsvorgang akribisch beobachten bis auch die letzte Festplatte zermalmt ist).
Der Blick auf die Dimensionen des Abfalls
Diese Zahlen wurden beim abschließenden Standortrundgang für uns greifbarer. Zu wissen, dass der „Berg“ an Elektroaltgeräten wöchentlich entsorgt wird, nur um in der darauffolgenden Woche wieder dieselbe Größe zu erreichen, war bedrückend – vor allem beim Anblick scheinbar unnützer Gegenstände, wie elektrischer Fliegenklatschen. Auch die große Anzahl an Kühl- und Gefrierschränken war überraschend.
Unabhängig von unserem Schwerpunkt im Bereich Elektroaltgeräte war es außerdem sehr interessant zu sehen, wie in der physikalisch-biologischen Anlage aus stark verschmutztem Wasser wieder klares Wasser gewonnen wird, das anschließend dem Abwassersystem zugeführt werden kann.
Unser Dank
Wir möchten uns auch auf diesem Wege herzlich bei Nathalie Wagner für die Organisation bedanken. Ebenso bedanken wir uns bei den Mitarbeiter*innen am Standort Premstätten, allen voran bei Hans-Peter Plazovnik und Klaus Schruf sowie Andrea und ihren wunderbaren Kollegen in der Zerlegung. Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit genommen habt, uns an Eurem Arbeitsalltag teilhaben zu lassen und uns die Zerlegung von Elektroaltgeräten nähergebracht habt. Wir haben einen Einblick in eine Tätigkeit und einen Betrieb erhalten, der vielen verwehrt bleibt, und sind froh, diese Möglichkeit genutzt zu haben.
