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Die berühmte Hunterwasser Müllverbrennungsanlage wurde schon 1971 eröffnet

Dicke Luft in Graz: neues Energiewerk

In einem vorherigen Beitrag haben wir bereits gezeigt, dass der Großteil unseres Kunststoffs nicht recycelt, sondern verbrannt wird. Genau daran knüpfen wir hier an – mit einem genaueren Blick auf Müllverbrennungsanlagen und das in Graz geplante sogenannte „Energiewerk“. 

Alte Idee

Die Idee eines solchen Energiewerks ist nicht neu. Die Planung stammt ursprünglich aus den 1990er-Jahren und wurde damals nach massiven Protesten bereits einmal abgesagt. Trotzdem wird das Projekt heute erneut vorangetrieben – obwohl sich die Rahmenbedingungen und Ziele der Stadt massiv verändert haben. Graz hat sich offiziell das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Gleichzeitig soll eine Müllverbrennungsanlage mit einer geplanten Laufzeit von rund 40 Jahren gebaut werden – also bis etwa 2069. Dieser Widerspruch ist kaum aufzulösen. 

Ein zentrales Argument der Energie Graz lautet, dass Restmüll künftig nicht mehr zu bestehenden Müllverbrennungsanlagen außerhalb der Stadt transportiert werden müsse. Dadurch sollen Transportwege verkürzt und CO₂-Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig soll das Energiewerk den Ausstieg aus fossilen Energieträgern unterstützen, insbesondere durch eine Abkehr von Gas in der Fernwärme. 

Diese Argumente verdienen eine genauere Betrachtung. Die Verbrennung von Restmüll verursacht rund 800 Gramm CO₂ pro erzeugter Kilowattstunde Wärme. Zum Vergleich: Erdgas liegt bei etwa 240 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde. Aus klimapolitischer Sicht ist Müllverbrennung damit deutlich emissionsintensiver als Gas – selbst wenn Transportemissionen eingespart werden.  

Doch vor allem außerhalb der Heizsaison ist die entstehende Wärme größtenteils nutzlos. Technisch ist es auch möglich Fernwärem in Fernkälte umzuwandeln. Diese möglichkeit ist aber im Rahmen des Energiewerks nicht vorgesehen, da die nötige Infrastruktur dafür in Graz noch nicht ausgebaut ist. Anstatt flexible, innovative und saisonal angepasste Lösungen zu fördern, bindet man sich an eine starre Infrastruktur, die über Jahrzehnte betrieben werden muss – unabhängig davon, ob sie sinnvoll ist oder nicht. 

Große Investition in alte Technologie

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Müllverbrennungsanlagen brauchen konstant große Abfallmengen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass konsequente Müllvermeidung und bessere Mülltrennung wirtschaftlich unerwünscht sind. Wird zu gut getrennt oder weniger Müll produziert, fehlt der Brennstoff. In Graz wird es auch notwendig sein, dass der Müll aus der eigenen Stadt nicht ausreicht – Abfälle aus der Umgebung müssten nach Graz transportiert werden, um die Anlage auszulasten.  

Der Abfall aus der Stadt hat zwar ein kurzen Transportweg bis in die Puchstraße, aber eine Müllverbrennungsanlage mitten im Stadt gebiet bringt auch weitere Luftverschmutzung. Dabei hat Graz bereits jetzt die schlechteste Luftqualität aller Landeshauptstädte. Zudem verschwinden Abfälle durch Verbrennung keineswegs einfach: Rund 20 bis 30 Prozent bleiben als Schlacke und Asche zurück. Diese hochbelasteten Rückstände müssen wiederum aus Graz abtransportiert und als Sondermüll entsorgt werden. 

Alternativen?

All das kostet Geld – viel Geld. Rund 280 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Investitionen dieser Größenordnung blockieren über Jahrzehnte finanzielle Spielräume und verhindern den Ausbau wirklich nachhaltiger Alternativen. Dabei gäbe es sie längst: moderne Sortieranlagen, deutlich bessere Mülltrennung, Großwärmepumpen oder Solarthermie sind nicht nur klimafreundlicher, sondern auch flexibler und zukunftsfähiger. 

Und selbst wenn einem das aus irgendeinem Grund alles egal ist, höhere Verbraucher:innen kosten sind sicher niemandem egal: Expert:innen gehen davon aus, dass Müllverbrennungsanlagen ab 2027 in den EU-Emissionshandel einbezogen werden. Das wird die Müllverbrennung deutlich verteuern – mit hoher Wahrscheinlichkeit zulasten der Verbraucher:innen. 

Müllverbrennung mag auf den ersten Blick bequem wirken. Langfristig ist sie teuer, klimaschädlich und ein massives Hindernis auf dem Weg in eine wirklich nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Graz kann – und sollte – es besser machen. 

 

 Beitragsbild: 

Die berühmte Müllverbrennungsanlage in Wien von Hunterwasser wurde schon 1971 eröffnet.

 

 

Quellen:

Umwelt Steiermark 

Bürger:innen Initiative 

Zero Waste 

Umweltbundesamt 1 

Umweltbundesamt 2

Umwelt Steiermark

BMLUK 

 IPCC

Spittelau-Projektleiter: Das Energiewerk Graz befeuert Expertenskepsis  

Kleine Zeitung

ORF