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Erasmus Edition: Lebensmittelkonsum zwischen Österreich und der Schweiz – ein Blick nach Basel

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Sowohl Österreich als auch die Schweiz zählen zu den Ländern mit hohem Lebensmittelverbrauch – und hoher Verschwendung. In der Schweiz fallen pro Kopf und Jahr rund 330 Kilogramm Lebensmittelabfälle an, in Österreich etwa 260 bis 280 Kilogramm. Der Unterschied ist messbar, aber kein grundlegender. In beiden Ländern entsteht der Großteil der Abfälle in den privaten Haushalten – dort, wo Kaufentscheidungen, Lagerung und Alltagsroutinen zusammentreffen.

In Österreich fielen laut offiziellen EU-Berichten im Jahr 2020 rund 1,2 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Etwa 61 % davon stammen aus privaten Haushalten, gefolgt von Gastronomie, Verarbeitung und Handel. Besonders erstaunlich: Ein großer Teil dieser Abfälle gilt als vermeidbar – Lebensmittel, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch genießbar gewesen wären. Die Schweiz weist mit geschätzten 2,8 Millionen Tonnen jährlich ein sehr ähnliches strukturelles Problem auf. Hoher Lebensstandard geht offenbar nicht automatisch mit bewussterem Konsum einher.

Besonders im Alltag wird deutlich, wie wirkungsvoll einfache Alternativen sein können. Ein besonders sichtbares Beispiel in Basel ist die Äss-Bar. Der Fokus liegt auf Brot und Backwaren vom Vortag, ergänzt durch Produkte aus dem erweiterten Bäckereisortiment wie Salate, Sandwiches oder Birchermüesli. Seit Kurzem finden sich auch Käse- und Molkereiprodukte im Angebot, die vom Einzelhandel nicht mehr angenommen werden, obwohl sie noch einwandfrei sind.

Die Logistik dahinter ist klar organisiert: Die Backwaren werden entweder am selben Abend oder am nächsten Morgen bei regionalen Partnerbäckereien abgeholt. Jede Filiale arbeitet mit festen Bäckereien aus dem Umkreis zusammen, die meist in mehreren Touren pro Tag angefahren werden. Was nicht verkauft wird, landet dennoch nicht im Müll. Je nach Standort werden die Produkte von gemeinnützigen Organisationen oder Initiativen abgeholt. Der verbleibende Rest wird zu Biogas weiterverarbeitet.

Bemerkenswert ist auch die Zielgruppe: Die Äss-Bar richtet sich nicht an „die einen“. Manche kommen wegen des Preises, andere aus Überzeugung gegen Food Waste. Genau diese soziale Durchmischung macht das Konzept so wirkungsvoll – der Konsum geretteter Lebensmittel wird normalisiert. Die Äss-Bar hat bereits mehrere hundert Tonnen Lebensmittel gerettet – und zeigt: Veränderung beginnt nicht nur bei großen Strategien, sondern im ganz alltäglichen Konsum.

 

Quellen

Äss Bar https://www.aess-bar.ch/

foodwaste.ch

Bundesamt für Umwelt, Lebensmittelverluste https://www.bafu.admin.ch/de/foodwaste

Lebensmittelverluste und -abfallaufkommen in Österreich, Gudrun Obersteiner und Barbara Stoifl https://doi.org/10.1007/s00506-024-01032-9