Sicherlich ist jedem von uns aus der Geschichte bekannt, dass die bewaffneten Konflikte neben Verletzungen, Tod und Eroberungen auch enorme materielle Schäden, hilfsbedürftige und wohnungslose Menschenmassen und Verzweiflung hinterlassen 🤕. Häufig werden die letzteren Folgen nicht nur an der Seite des Verlierers beobachtet, sondern auch bei der einen Sieg errungenen Macht.
Diesmal widmen wir unseren heutigen Eintrag der sozioökonomischen Dimension des einen immer noch laufenden Krieges auf dem europäischen Kontinent – nämlich der Invasion der Russischen Föderation in die Ukraine 🇷🇺💥🇺🇦.
Die Lage in der Ukraine
Dieser einmalige bewaffnete Konflikt – durch seinen hohen Digitalisierungsgrad – besteht seit seinem Beginn im Februar 2022 wesentlich in dem Beschuss kritischer Infrastruktur und Wohngebieten seitens nicht nur Kampfflugzeugen, sondern vielmehr Drohnen. Dies führte vor allem in der Ukraine zu zahlreichen negativen Konsequenzen für die dortige Bevölkerung wie:
- dauernden Stromausfällen ❌💡;
- Abstellung der Heizung in den Wohnungen 🥶;
- Verlust der eigenen Unterkunft 💣🏠🔥;
- Tod von Kindern, ihren Eltern und/oder sonstigen Familienmitgliedern ☠️;
- Unterbrechung bzw Verlangsamung der Lieferströme von lebensnotwendigen Gütern (Lebensmittel, Medikamenten usw) ❌🍲💊❌.
📉Laut Caritas hat der russische Angriff auf die Ukraine rund 10,8 Millionen Ukrainer:innen in eine Notlage versetzt, davon haben vier Millionen kein eigenes Dach über dem Kopf mehr (1). Zum Vergleich: die Bevölkerung der Ukraine gegen Ende 2025 betrug circa 33 Millionen Menschen (2), d.h. jede/-r vierte Bewohner:in des Landes gilt aktuell als extrem arm – dieses Verhältnis stellt einen rasanten, mehrfachen Anstieg gegenüber 2021, als der Wert bei 5,5% lag (3). Die Verarmung betrifft demographisch gesehen vor allem die Kinder, aber auch Personen, wohnhaft in ländlichen Gebieten sowie Arbeitslosen, wobei das Armutsrisiko in den letzten 4 Jahren ebenso gestiegen ist – am meisten bei mehrköpfigen Familien (4).
Die primär aufgrund der Luftangriffen beeinträchtigte Energie- bzw Stromversorgung im ukrainischen Staat stellt die Haushalte vor enormen lebensbezogenen Herausforderungen – wie man den frostigen Winter überleben kann, wie oder ob überhaupt man (drei) warme Mahlzeiten für jeden Familienmitglied täglich zubereiten kann, wie Kranke und Notfälle in den dortigen Krankenhäusern ausreichend versorgt werden – zahlreiche Fragen bleiben in der Kriegssituation noch offen. Die Regierung der Ukraine trifft zwar Maßnahmen zur materiellen Unterstützung der schwachen bzw bedürftigen Personen, angesichts der riesigen Ausgaben für Landesverteidigung bleibt ihre Wirkung aber unzureichend (5).
Hat der Krieg auch in der Russischen Föderation etwas verändert?
Schauen wir aber nun auf die andere Seite der Medaille – nämlich nach Russland. Die millionenfache Mobilisierung von Männern an der Kriegsfront wurde teilweise von Versprechen für hohe Belohnungen angeregt, auch hinsichtlich ihrer Familien. Viele Personen, besonders in den weit entfernten Regionen des Staates (z.B. Sibirien) sahen darin einen Rettungsgürtel vor dem Elend, doch dies sei auf Kosten des eigenen Lebens (6).
⚠️Laut Ermittlungen sollte die kriegsbedingte Trennung von Eltern (-teil) und Kindern eine Erhöhung der Zahl von obdachlosen Minder- und Volljährigen um 2,1% auf Föderationebene verursacht haben – und so haben nach letzten Angaben 57 Tausend Jungen und Mädchen kein echtes Zuhause (7).
📊Die Lage der Erwachsenen in Russland sehe aber nicht rosa aus: trotz nationaler statistischer Erhebungen, die einen Rückgang der Zahl unterhalb der lokalen Armutsgrenze lebenden Russ:innen auf weniger als 10 Mio. (wie nie zuvor!) verzeichnen, hat ein Großteil der russischen Bevölkerung hart mit der Deckung der Kosten im Haushalt zu kämpfen (7, 8) – welche die eigenen Ersparnisse aufsaugen, wobei Ausgaben für Medikamente nicht inbegriffen sind. Der dem Rest Europas nachlassende Lebensstandard in Russland wird noch vom hohen Ausmaß der “verdeckten” Arbeitslosigkeit begründet (der Begriff umfasst Menschen, die entweder unzureichend/illegal erwerbstätig sind oder nicht als arbeitssuchend gemeldet wurden), obwohl neulich (2025) offiziell ein historischer Tief an Arbeitslosen dort bemessen wurde – nur 2,2% (9).
Wie ihr bemerkt, liebe Leser:innen, geht der Umfang der bewaffneten Konflikte weit über das bloße Schlachtfeld hinaus. Damit die einer Person infolgedessen entnommenen Möglichkeiten und Vermögen wiederhergestellt werden, dauert es dann Jahre und die materiellen sowie emotionalen Kosten sind riesig. ⛑️
Wir als Europäer:innen müssen die Kriege – nicht nur diese vor der Haustür, sondern auch jene weltweit – aktiv verurteilen bzw deligitimieren, weil sie die menschliche Entwicklung bzw Wohlfahrt auslöschen und die Gerechtigkeit als höchsten Wert denominieren. 🔚☮️
Literaturverzeichnis:
- https://www.caritas.org/ukraine/emergency/ukraine-caritas-sounds-the-alarm-on-growing-poverty-and-4-million-people-without-homes/
- https://www.statista.com/statistics/296122/total-population-of-ukraine/?srsltid=AfmBOop2o5uWOAmcJP43jNiRsLVPPFlY6ir6rYdlwFXveGTWWh8MKHaG
- https://unu.edu/merit/news/ukraine-and-sdgs-how-war-has-influenced-global-development
- Cherenko, L. (2024). Measuring Poverty in the Conditions of War in Ukraine. Economic Commission for Europe, Conference of European Statisticians Workshop on Harmonization of Poverty Statistics – Geneva, Switzerland, 27 November 2024 URL:https://unece.org/sites/default/files/2024-11/_W_Multidimensional%20poverty_Ukraine%20UNICEF_paper.pdf
- https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-283/521175/analyse-die-hohen-kosten-des-krieges-wie-russlands-krieg-gegen-die-ukraine-die-armut-verschaerft/
- https://www.n-tv.de/wirtschaft/Sterben-ist-in-Russland-profitabler-als-Leben-article25965083.html
- https://szru.gov.ua/en/news-media/news/poverty-in-russia-is-worsening
- https://www.themoscowtimes.com/2025/07/30/what-is-behind-russias-wartime-prosperity-paradox-a90025
- https://www.eurasiareview.com/10012026-hidden-unemployment-in-russia-skyrocketing-oped/
