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Problem der Teilzeitarbeit von Frauen in Österreich

In den letzten Jahrzehnten zeigt der österreichische Arbeitsmarkt einen kontinuierlichen Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen. Hinter diesem positiven Trend verbirgt sich jedoch ein ernstes strukturelles Problem: der hohe Anteil von Frauen in Teilzeitarbeit. Dieses Merkmal des österreichischen Arbeitsmarktes steht in direktem Zusammenhang mit dem Male-Breadwinner-Modell und damit mit geschlechtsspezifischer Ungleichheit. Es hat langfristige Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation von Frauen in Österreich.

Ausmaß des Problems

Österreich gehört zu den europäischen Ländern mit einem besonders hohen Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen. Laut Statistik Austria arbeiteten im Jahr 2024 etwa 49,8 % der Frauen in Teilzeit, während dieser Anteil bei Männern nur bei etwa 14,0 % lag (1). Im Vergleich zur Europäischen Union ist die Situation in Österreich noch ausgeprägter: im EU-Durchschnitt liegt dieser Anteil der Frauen in Teilzeit bei etwa 29,3 % (2).

Damit ist der geschlechtsspezifische Unterschied in der Beschäftigungsform deutlich und dauerhaft.

Hauptursachen

Ein zentraler Faktor ist die ungleiche Verteilung von Betreuungs- und Sorgearbeit. Den Daten zufolge wählen 39,8 % der Frauen Teilzeitarbeit aufgrund der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, während dieser Grund bei Männern deutlich seltener genannt wird, nämlich nur von 8,6 % (2).

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren: 72,8 % dieser Frauen arbeiten in Teilzeit (3).

Dies zeigt, dass Teilzeitarbeit häufig keine völlig freie Entscheidung ist, sondern durch soziale Erwartungen und institutionelle Einschränkungen beeinflusst wird.

Weitere Ursachen sind:

  • ein unzureichendes Angebot an Kinderbetreuung und anderen Betre
    uungsdiensten
  • traditionelle Geschlechterrollen
  • die Struktur des Arbeitsmarktes, da viele Teilzeitstellen in sogenannten „weiblichen“ Branchen wie Bildung, Pflege und Handel angeboten werden.

Wirtschaftliche Folgen

Der hohe Anteil an Teilzeitarbeit wirkt sich direkt auf das Einkommen von Frauen aus. In Österreich besteht weiterhin ein erheblicher Gender Pay Gap von 18,3 % (4).

Darüber hinaus:

  • verdienen Frauen im Laufe ihres Lebens weniger
  • erhalten sie niedrigere Pensionen
  • haben sie geringere Karrierechancen

Studien zeigen, dass Unterschiede in der Arbeitszeit einer der zentralen Faktoren für geschlechtsspezifische Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt sind (5).

Soziale Folgen

Teilzeitarbeit verstärkt zudem die finanzielle Abhängigkeit von Frauen vom Partner oder vom Staat. Dadurch steigt das Armutsrisiko, insbesondere:

  • nach einer Scheidung
  • im höheren Alter

Außerdem entsteht eine sogenannte „Teilzeitfalle“: Frauen bleiben oft auch dann in Teilzeitbeschäftigung, wenn ihre Kinder bereits älter geworden sind (6).

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der hohe Anteil von Teilzeitarbeit unter Frauen in Österreich nicht nur eine Besonderheit des Arbeitsmarktes ist, sondern ein strukturelles Problem, das eng mit geschlechtsspezifischer Ungleichheit verbunden ist.

Diese Situation entsteht durch das Zusammenspiel sozialer Normen, institutioneller Einschränkungen und wirtschaftlicher Faktoren. Trotz der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen bleibt ihre wirtschaftliche Position im Vergleich zu Männern weniger stabil und weniger vorteilhaft.

Zur Lösung dieses Problems sind umfassende Maßnahmen erforderlich:

  • der Ausbau der Kinderbetreuung• die Förderung von Vollzeitbeschäftigung• eine gerechtere Verteilung familiärer Aufgaben

Nur unter diesen Bedingungen kann tatsächliche Geschlechtergleichstellung auf dem Arbeitsmarkt erreicht werden.

Literaturverzeichnis

(1) https://www.statistik.at/en/statistics/labour-market/working-time/part-time-work-part-time-rate

(2) https://www.vienna.at/part-time-work-in-austria-has-increased-significantly/9107401

(3) https://executiveacademy.at/en/knowledge/career/international-womens-day-part-time-and-salary-a-reality-check

(4) https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2025/03/20250305GenderStatistik2025EN.pdf

(5) https://research.wu.ac.at/en/publications/gender-wage-differences-and-part-time-work-in-austria-3

(6) https://www.vienna.at/part-time-work-in-austria-has-increased-significantly/9107401