Die globale Modeindustrie produziert jedes Jahr Kleidung in einer Dimension, die weit über das tatsächliche Nutzungsverhalten hinausgeht. Schätzungen zufolge werden jährlich rund 100 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt. Das entspricht mehr als 13 neuen Teilen pro Person weltweit. Doch etwa 20 bis 30 Prozent davon, also bis zu 30 Milliarden Stück, bleiben unverkauft und werden nie getragen (1).
Ein Blick nach Österreich zeigt das Problem im nationalen Kontext besonders deutlich. Im Jahr 2021 wurden laut einer Schätzung von Greenpeace rund 4,6 Millionen Kilogramm neuwertige Kleidung und Schuhe entsorgt, was einem Warenwert von etwa 155 Millionen Euro entspricht (2). Diese Mengen stehen stellvertretend für ein globales System, das mehr produziert, als sinnvoll genutzt werden kann.
Doch warum entstehen solche Übermengen? 👗
Ein Blick auf die Mechanismen hinter Fast Fashion liefert die Antwort. Die Ursachen liegen tief im Geschäftsmodell. Schnell wechselnde Trends, teils im Wochentakt, setzen Marken unter Druck, konstant neue Kollektionen zu liefern. Das führt zu einem Modell, das Umsatz priorisiert und Nachhaltigkeit vernachlässigt (1).
Ein wesentlicher Treiber der Überproduktion ist die strukturelle Unsicherheit im Modesystem. Ungenaue Trendprognosen führen dazu, dass Marken Trends falsch einschätzen und große Mengen an Ladenhütern produzieren. Marken greifen auch oftmals zu einer Strategie des „lieber zu viel als zu wenig“. Die Angst, Kundinnen und Kunden an die Konkurrenz zu verlieren, lässt Unternehmen lieber mehr herstellen, als Bestände knapp zu halten. (1)
Gleichzeitig erschweren intransparente Lieferketten die Kontrolle über reale Produktionsmengen. Fabriken fertigen teilweise mehr Stücke an, als bestellt wurden, um sich gegen Reklamationen abzusichern. Niedrige Produktionskosten begünstigen dieses System weiter, denn zusätzliche Teile wirken für Unternehmen kaum kostenintensiv. (1)
Die Folgen: Ein wachsender globaler Berg aus ungetragener Kleidung 🌍🔥
Unverkaufte Kleidung landet häufig auf Deponien, wird verbrannt oder in Länder des Globalen Südens exportiert (2). Ein Kleidungsstück, das nie getragen wird, verschwendet nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern verdeutlicht auch die dringende Notwendigkeit, Produktionsmengen und Geschäftsmodelle in der Modeindustrie grundlegend zu überdenken.
Literaturverzeichnis
(1) Nul Global (2025) Overproduction in the Fashion Industry: An In-depth Analysis. Verfügbar unter: https://nul.global/blog/overproduction-in-the-fashion-industry
(2) Greenpeace Österreich (2022) Überproduktion und Warenvernichtung. Verfügbar unter: https://greenpeace.at/uploads/2023/07/20221019_hintergrundpapier_warenvernichtung.pd
