Elektroschrott gehört zu den wertvollsten, aber auch gefährlichsten Abfallströmen unserer Zeit. Während Elektrogeräte immer schneller ersetzt werden, landet ein erheblicher Teil unseres Altgerätemülls nicht in europäischen Recyclinganlagen, sondern auf informellen Müllhalden in Westafrika und Südostasien. Offiziell ist der Export defekter Elektronik in diese Regionen in vielen Fällen verboten. Die Realität sieht jedoch anders aus.
Ein zentraler Akteur in der Aufklärung dieses Problems ist das Basel Action Network (BAN). Die NGO veröffentlichte 2016 eine groß angelegte Untersuchung, bei der Tracker in entsorgten Geräten platziert wurden. Das Ergebnis: Ein erheblicher Teil scheinbar „recycelter“ Elektronik aus den USA und Europa wurde illegal nach Ghana, Nigeria, Hongkong und Pakistan exportiert und das trotz gesetzlicher Verbote. Die Studie dokumentierte, dass Händler Altgeräte oft als „gebraucht, aber funktionsfähig“ deklarieren, obwohl sie in Wahrheit defekt sind.(1)
Besonders bekannt ist die Elektroschrottdeponie Agbogbloshie in Ghana, die jahrelang als einer der weltweit größten Hotspots galt. Zwar fanden in den letzten Jahren Umstrukturierungen statt, doch Berichte zeigen weiterhin problematische Verlagerungen in andere Regionen. Arbeiter*innen, darunter viele Jugendliche, verbrennen Kabel, um Kupfer zu gewinnen, und setzen sich dabei hochgiftigen Chemikalien aus. Diese illegalen Deponien verursachen nicht nur erheblichen gesundheitlichen Schaden für die Menschen dort, sondern verschmutzen und vergiften auch die Umwelt.(2)
Hier ein Video auf YouTube dazu: Agbogbloshie: Life in the World’s Biggest E-Waste Graveyard (Accra, Ghana)
Doch nicht nur Afrika ist betroffen. Laut einem Fortune Artikel ist das auch ein Problem für Länder in Asien. Millionen Tonnen ausrangierter Elektronik aus den USA werden weiterhin dorthin verschifft, oft in Staaten, die kaum in der Lage sind, gefährliche Abfälle sicher zu verarbeiten. Ein neuer Bericht des Umweltverbands Basel Action Network zeigt, dass mindestens zehn US-Firmen über Jahre hinweg heimlich Elektrogeräte nach Südostasien und in den Nahen Osten exportiert haben, obwohl viele dieser Länder solche Importe nach dem Basler Übereinkommen untersagen. Während die Menge an globalem Elektroschrott rasant wächst und 2022 ein Rekordniveau von 62 Millionen Tonnen erreichte, landet ein großer Teil in Ländern wie Malaysia, Indonesien oder Thailand, wo er in improvisierten Werkstätten ohne Schutz zerlegt oder auf Deponien abgeladen wird, was auch dort gravierende Folgen für Umwelt und Gesundheit hat. Laut Bericht verlassen monatlich rund 2.000 Container mit US-Elektroschrott die Häfen, häufig falsch deklariert, um Kontrollen zu umgehen. Viele der beteiligten Firmen besitzen sogar Umweltzertifizierungen, was Zweifel an deren Wirksamkeit aufkommen lässt. Die betroffenen Staaten sehen sich dadurch mit einer Flut an giftigem Müll konfrontiert, der ihre eigenen Abfallstrukturen überfordert und ein Beispiel für das darstellt, was NGOs als Müllkolonialismus bezeichnen.(3)
Vor diesem Hintergrund ist es relevant, die neuen und strengeren in Kraft getretenen EU Rechtsakte zu nennen . Seit dem 1. Januar 2025 gelten in der EU neue, verschärfte Vorschriften für die grenzüberschreitende Verbringung von Elektro- und Elektronikaltgeräten. Hintergrund ist die Anpassung an das revidierte Basler Übereinkommen.
Kernelemente sind:
- Exporte von Elektroschrott in Nicht-OECD-Staaten sind vollständig verboten.
- Exporte in OECD-Drittstaaten sind nur noch mit vorheriger Notifizierung und Zustimmung möglich.
- Innerhalb der EU gelten für nicht-gefährliche Altgeräte bis Ende 2026
- Übergangsregeln, bevor 2027 ein neues zentrales digitales Meldesystem startet.
- Für gefährliche Abfälle gilt die Notifizierungspflicht bereits jetzt auch innerhalb der EU. (4)
Fazit
Die illegalen Exporte zeigen ein Grundproblem: Unser globales Wirtschaftssystem ist auf Konsum ausgelegt, während die Entsorgungskosten systematisch externalisiert werden. Solange Recycling teurer ist als das Verschiffen von Müll, wird sich daran wenig ändern. Die Auswirkungen bringen, wie in den Beispielen deutlich wird, erhebliche negative Auswirkungen und heben vor allem auch soziale Ungerechtigkeit hervor.
Doch es gibt Hoffnung. Strengere EU-Kontrollen, digitale Rückverfolgbarkeit (z. B. Digitaler Produktpass) und neue Geschäftsmodelle im Refurbishment können helfen, Elektroschrottströme transparent zu machen und missbräuchliche Exportwege zu schließen.
Der Kampf gegen illegale E-Waste-Exporte beginnt also nicht erst am Hafen, sondern beim Konsumverhalten und bei der Verantwortung von Herstellern, Politik und Verbraucher*innen gleichermaßen.
