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Frauen in der Wissenschaft in Österreich

Historischer Hintergrund

Über einen langen Zeitraum hinweg war die Frage des Zugangs von Frauen zur Hochschulbildung in Österreich ein akutes Problem.
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es kaum Frauen in der Wissenschaft, und die akademische Welt war vollständig eine männliche Domäne. Im 19. Jahrhundert erhielten Frauen erstmals die Möglichkeit, Universitäten zu besuchen (so wird beispielsweise auf der Website der University of Vienna festgestellt: „At first, three women enrolled. The ratio of women to men at that point was 1:183“) (1). Die ihnen zugänglichen Studienrichtungen waren jedoch stark eingeschränkt („their studies were limited to Philosophy“) (2), und berufliche Perspektiven waren nahezu nicht vorhanden.

Selbst im 20. Jahrhundert, als die Zahl der Studentinnen langsam zunahm, spielten gesellschaftliche Stereotype weiterhin eine entscheidende Rolle, weshalb es fast keine Professorinnen gab.

Mit dem Beginn aktiver Reformen nach den 1970er-Jahren wirkten sich Gleichstellungsgesetze und Förderprogramme positiv auf den Anstieg der Zahl von Frauen im akademischen Bereich aus. Dennoch ist eine tatsächliche Gleichberechtigung bis heute nicht vollständig erreicht worden.

Frauenanteil an Universitäten heute

Bemerkenswert ist außerdem, dass der Anteil der Studentinnen an österreichischen Universitäten heute höher ist als der der Studenten („Around 56% of university students are now women“) (3).

Die „Leaky Pipeline“ in der akademischen Laufbahn

Trotzdem lässt sich eine bedenkliche Tendenz beobachten: Der zunächst hohe Anteil von Frauen an den Universitäten sinkt mit dem Erwerb höherer akademischer Abschlüsse deutlich. So erhalten lediglich 23,8 % der Frauen den Professorinnenstatus, verglichen mit 76,2 % der Männer (4).

Dieses Phänomen wird als „leaky pipeline“ bezeichnet, also als ein schrittweises „Herausfallen“ von Frauen aus dem akademischen System.

Ursachen der Ungleichheit: Care-Arbeit und prekäre Karrierewege

Einer der zentralen Gründe dafür ist die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit (Care Work). Frauen übernehmen häufiger die Betreuung von Kindern sowie die Führung des Haushalts, was ihre Möglichkeiten für wissenschaftliche Tätigkeiten, einschließlich Publikationen und der Teilnahme an Projekten, einschränkt. Laut Daten der United Nations verbringen Frauen 18,3 % ihrer Zeit mit unbezahlter Hausarbeit, Männer hingegen nur 9,3 % (5).

Darüber hinaus ist die akademische Laufbahn in Österreich durch lange Phasen beruflicher Unsicherheit geprägt (Promotion, Postdoc-Phase). Etwa 64 % der wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen arbeiten mit befristeten Verträgen, was zeitlich häufig mit der Familiengründung zusammenfällt und den beruflichen Aufstieg von Frauen zusätzlich erschwert (6).

Soziale Stereotype und institutionelle Barrieren

Auch soziale Stereotype und institutionelle Barrieren spielen eine bedeutende Rolle. Frauen werden seltener in Führungspositionen befördert, was sowohl mit gesellschaftlichen Erwartungen als auch mit den Besonderheiten akademischer Auswahlverfahren und wissenschaftlicher Netzwerke zusammenhängt (7).

Mögliche Maßnahmen zur Verringerung der Geschlechterungleichheit

Zur Verringerung der Geschlechterungleichheit ist ein umfassendes Maßnahmenpaket erforderlich. Dazu gehören der Ausbau des Systems der frühkindlichen Bildung, die Schaffung flexiblerer Karrierewege sowie die Einführung von Förderprogrammen für Frauen in der Wissenschaft. Darüber hinaus stellt eine stärkere Transparenz bei Einstellungs- und Beförderungsverfahren einen wichtigen Schritt dar, da dadurch der Einfluss versteckter Vorurteile verringert werden kann.

Literaturverzeichnis

(1) https://geschichte.univie.ac.at/en/articles/female-enrolment

(2) https://en.wikipedia.org/wiki/University_of_Vienna

(3) https://www.statistik.at/en/statistics/population-and-society/gender-statistics/education

(4)https://boku.ac.at/fileadmin/data/H02000/H29400/Gleichstellung/Gleichstellungsberichte/Finalversion_Gleichstellungsbericht_English_2022DEZ14.pdf

(5) https://data.unwomen.org/country/austria

(6) https://link.springer.com/article/10.1007/s10734-017-0226-x

(7)https://gleichbehandlung.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/p_gleichbehandlung/academic_careers_and_gender_bias.pdf