Du betrachtest gerade Armutslinderung: Eine kurze Reise durch Graz

Armutslinderung: Eine kurze Reise durch Graz

Man hält es nicht für möglich, dass man in Grazer Parks oder dunklen Ecken Gestalten schemenhaft Decken und Essensreste aus Plastiksäcken kramen sieht. Die Armut in Graz ist groß – und manchmal sieht man sie. Personen, die sich um Gestrandete kümmern, haben gelernt, wie wichtig das Zuhören ist. Organisationen haben sich gebildet, um diesen finanziell und sozial Benachteiligten zu unterstützen: einerseits mit Essen, andererseits mit einem frischen, warmen Bett für die eine Nacht oder auch längerfristig. Jede*r darf kommen, solange sie*er sich an die Hausregeln hält.

Die Angebote sind vielfältig. Ich möchte an dieser Stelle die große Bedeutung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen hervorheben, welche nicht nur zwei helfende Hände schenken, sondern vor allem Zeit und soziale Fürsorge.

Die Vertretung von CARITAS in Graz und wie die Menschen dort ernährt werden

Die größte in Graz tätige Organisation ist die CARITAS. Sie betreibt von Notschlafstellen, Notschlafhäusern, Billigmärkten und Second Hand Shops auch eine große, tägliche Ausspeisung im Marienstüberl (Marienstraße, Nähe Keplerstraße, siehe das Foto von Caritas unten).

 

Das Marienstüberl (gegründet 1995) hilft täglich bis zu 320 armutsbetroffenen Personen. Neben einem warmen Frühstück und Mittagessen gibt es wahlweise Ruhe, Möglichkeiten zum Plaudern oder für Beratungen. Und es gibt Duschmöglichkeiten. Vor allem an kalten Tagen wird das Angebot einer warmen Stube gerne angenommen. Nicht selten kommen Wärmesuchende krank in die Stube. Auch dann kann geholfen werden.

Eine Mahlzeit wird mit 4€ veranschlagt, private Spenden wie auch Firmenspenden sind gerne gesehen. Prominente Köche haben am Marienstüberl-Kochbuch gearbeitet. Auf regionale Zutaten wird geachtet. Es ist ein Kochbuch mit bodenständigen Gerichten. Der Reinerlös kommt dem Stüberl zugute. Der Anteil der Angestellten ist nicht sehr groß, die meiste Arbeit wird von Ehrenamtlichen übernommen.

Die VinziWerke – wie engagiert sich diese Gemeinschaft für Bedürftige und wie kann man ihre Tätigkeit unterstützen?

Die zweite nennenswerte Organisation in Graz ist das auf Eigeninitiative von Pfarrer Wolfgang Pucher (1939-2023) ins Leben gerufene VinziNest, mittlerweile Teil der VinziWerke. Der Eggenberger stand der Pfarre St. Vinzenz vor und startete 1991 mit dem VinziBus den Kampf gegen die Armut mittels Verteilung von Essensspenden. Pucher erweiterte sein Angebot mit der Nachtschlafstelle VinziBett, der Dauerunterbringung im VinziDorf  und zwei Sozialmärkten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In den mittlerweile knapp 150 österreichischen Vinzenz-gemeinschaften wird täglich etwa 450 Personen Unterkunft geboten und 1.700 mit Essen oder Lebensmittel versorgt. Ehrenamtliche sind herzlich willkommen (VinziNest, Maria-Strombergergasse, großer Schlafsaal, siehe das zweite Foto unten)!

Eine Sanierung ist fällig! Das VinziNest ist jetzt ausschließlich für Armutsmigrant*innen geöffnet und wird um etwa 2 Millionen Euro saniert. Spenden werden dankend entgegengenommen!

Praktisch jede hilfstätig arbeitende Organisation sucht Freiwillige. Sie versuchen, adäquate Betätigungsfelder für Interessierte zu finden. Auch ich nahm vor knapp einem Jahr mit der CARITAS und den VinziWerken Kontakt auf. Bezüglich eines Praktikumsplatzes wurde ich in beiden Fällen sehr ehrlich und kompetent beraten.

In den letzten Jahren ließ die Spendenfreudigkeit spürbar nach. Auf der anderen Seite wird der Bedarf stetig größer. Und das zeigt Auswirkungen in diversen sozialen Ausgabestellen. Die Stimmung wird aggressiver und nicht selten müssen Männer verstärkt eingesetzt und im schlimmsten Fall Security abgestellt werden.

In den Jahren der jetzigen Stadtregierung wurden viele kleine Stadtteiltreffs gefördert. Doch wie überall musste und muss auch hier gespart werden. Eine gute soziale Idee führt nun einen Kampf ums Überleben!

Quellen:

https://www.caritas-steiermark.at/spenden-helfen/