Es war zu Beginn der 80er Jahre, als zwei starke Persönlichkeiten für ihre Projekte in Afrika warben.
Emmanuelle Cinquin
Sr. Emanuelle (bürgerlicher Name Marie-Madeleine Cinquin, 1908 – 2008) war eine europäische Ordensschwester mit großer Affinität zu Ägypten, speziell der Hauptstadt Kairo. Jahrelang lebte sie in den Slums, was ihr den Namen Mutter der Müllmenschen eintrug. Dort gab es kein fließendes Wasser und keinen Strom. Das Viertel ihres Wirkens umfasste insgesamt 4000 Personen. Die Frauen waren rechtlos und versklavt, die Kinder sahen einer Zukunft ohne Chancen entgegen. Und gerade diese beiden Personengruppen waren sogar noch in ihrem Ruhestand mit 85 Jahren (siehe Foto unmittelbar rechts (1.)) ein großes Anliegen. Sie kümmerte sich nicht nur um Hygiene, sondern auch um technische Unterstützung wie zum Beispiel eine Kompostanlage. Durch das Zusammenleben mit den „Müllmenschen“ hatte sie viele Ideen, jedoch fehlte ihr dazu das Geld. Es gelang Sr. Emanuelle, ihre Schwestern für ihre Tätigkeit zu begeistern, ihr nach Kairo zu folgen und bei der Spendentätigkeit in Europa zu unterstützen. Sie war Gast in diversen Talk-Shows und nahm Kontakt mit christlichen Pfarren auf. Spenden wurden gerne entgegengenommen und persönlich verwaltet, um die Nebenkosten möglichst gering zu halten. In Österreich entstand 1979 das Hilfswerk Sr. Emanuelle in der Pfarre Graz-Ragnitz. Pfarrer Regner pflegte einen sehr guten Kontakt zu seiner Pfarrgemeinde und verschiedenen Grazer Gymnasien. Sr. Emanuelle hatte keine Scheu vor der Kirchenobrigkeit und verteilte Verhütungsmittel unter den Slumfrauen. Auch in anderen Staaten wie Haiti oder dem Sudan gründete sie Hilfsorganisationen.
Karlheinz Böhm
Ebenfalls in den 80er Jahren erzählte ein deutsch-österreichischer Schauspieler in der Spiele-Show Wetten dass über seine Tätigkeiten in Äthiopien. Es handelte sich um Karlheinz Böhm (1928 – 2014, siehe Foto unmittelbar rechts, von 2009 (2.)), welcher sich mit seinen Filmen wie „Sissi“ großer Beliebtheit erfreute. Ein Keniaaufenthalt entfachte seine Liebe zu den einfachen Menschen in Afrika. Er wollte helfen und schloss in Wetten dass eine Spendenwette ab. Das war im Mai 1981. Ein halbes Jahr später gründete er die Organisation Menschen für Menschen. Damit war er in Äthiopien tätig. Zu seinen Herzensanliegen zählten die Abschaffung von Kinderehen und der weiblichen Genitalverstümmelung sowie die Ausweitung der Schulbildung, speziell für Mädchen.

Almaz Böhm (geb. Teshome 1964) stand ihrem späteren Ehemann immer zur Seite. Nach seinem Tod übernahm sie die Schirmherrschaft über Menschen für Menschen (siehe das Foto oberhalb von diesem Absatz (3.)).
Offene Fragen in der Gegenwart und der Zukunft
Die Hilfsorganisationen arbeiten heute mit viel mehr mit PR und haben hohe Werbeausausgaben. Auch wenn die Anliegen in den letzten 40 Jahren zum großen Teil gleich geblieben sind, hat sich das Marketing stark verändert. Und bei manchen Projekten stellt man sich die Sinnfrage. Wo herrscht immer noch Bedarf an Unterstützung von Frauen? Braucht man Frauen zum Arbeiten, so werden sie schlecht bezahlt, zum größten Teil ist die Tätigkeit auch ohne Schulbildung ausführbar oder giftig!
Greenpeace ist dem Geschäft mit der Second Hand Kleidung nachgegangen. Der Westen produziert mehr Müll, als er sauber recyceln oder verbrennen kann. Vieles wird schon vor dem Verkauf entsorgt und nicht getrennt. Greenpeace etikettierte eine Auswahl von Kleidungsstücken und musste erkennen, dass diese über 81.000 Kilometer durch mehrere Kontinente gereist waren. Das Durchsortieren der Kleidungsberge war und ist Aufgabe der Frauen und teilweise der Kinder.
Das ist nicht Unterstützung des Globalen Südens – das ist Kapitalismus und sollte nicht in einem Satz mit Frauenförderung ausgesprochen werden!
Quellen:
- By Gauthier Fabri, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38107221
- Von Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7396920
- Von Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6233428
