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Zum Wohle der Frauen im Globalen Süden

Gerade im Globalen Süden sind Frauen gegenüber Männern stark benachteiligt. Ein großer Teil der ungleichen Belastung liegt in der Carearbeit. Gerade in ärmeren Ländern mit einer hohen Geburtenrate und dem religiösen wie auch sozialen Druck auf Frauen bleibt wenig Platz für Selbstbestimmung. Wir möchten einen kurzen Überblick über die verschiedenen Betätigungsfelder der Entwicklungshilfe geben.

In kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch innerhalb der Familie, sind Frauen oft Gewalt ausgesetzt. Männer sehen ihre Frauen als persönliches Eigentum an und vor der Ehe werden Mädchen aus sozialen Gründen gezwungen, eine Genitalverstümmelung über sich ergehen zu lassen.

Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Eigenständigkeit. Eigene Ressourcen werden erkannt und genützt.

Und als dritten und letzten Punkt möchte ich an dieser Stelle auf klimatische Veränderungen hinweisen.

Wir werden kurz über Anliegen und Arbeitsweise von zwei in der Auslandshilfe tätigen Personen berichten. Sie begannen in den 70ern und 80ern mit der Aktivierung von Spendenfreudigen in Mitteleuropa.

Es war zu Beginn der 80er Jahre, als zwei starke Persönlichkeiten für ihre Afrika-Projekte warben. Während die eine in den Slums von Kairo tätig war, wurde der andere in ländlichen Regionen aktiv.

Emmanuelle Cinquin

Sr. Emmanuelle (bürgerlicher Name Marie-Madeleine Cinquin, 1908 – 2008) war eine europäische Ordensschwester mit großer Affinität zu Ägypten, speziell der Hauptstadt Kairo. Jahrelang lebte sie in den Slums, was ihr den Namen Mutter der Müllmenschen eintrug. Dort gab es kein fließendes Wasser und keinen Strom. Das Viertel ihres Wirkens umfasste insgesamt 4000 Personen. Die Frauen waren rechtlos und versklavt, die Kinder sahen einer Zukunft ohne Chancen entgegen. Die Beschneidungsrate war und ist in Ägypten sehr hoch und Hygienebedarf wie auch Verhütungsmittel nicht vorhanden. Sie kümmerte sich aber nicht nur um Hygiene, sondern auch um technische Unterstützungsmaßnahmen  wie zum Beispiel eine Kompostanlage. Durch das Zusammenleben mit den „Müllmenschen“ hatte sie viele Ideen, jedoch fehlte ihr dazu das Geld. Es gelang Sr. Emmanuelle, ihre Schwester für ihre Tätigkeit zu begeistern, ihr nach Kairo zu folgen und bei der Spendentätigkeit in Europa zu unterstützen. Sie war Gast in diversen Talk-Shows und nahm Kontakt mit christlichen Pfarren auf. Spenden wurden gerne entgegengenommen und persönlich verwaltet, um die Nebenkosten möglichst gering zu halten. In Österreich entstand 1979 das Hilfswerk Sr. Emmanuelle in der Pfarre Graz-Ragnitz. Pfarrer Regner pflegte einen sehr guten Kontakt zu seiner Pfarrgemeinde und verschiedenen Grazer Gymnasien. Hier lernte eine Kollegin von unserer Gruppe sie sogar persönlich kennen. Sr. Emmanuelle hatte keine Scheu vor der Kirchenobrigkeit und verteilte Verhütungsmittel unter den Slumfrauen. Auch in anderen Staaten wie Haiti oder dem Sudan gründete sie Hilfsorganisationen.

Karlheinz und Almaz Böhm

Ebenfalls in den 80er Jahres erzählte ein deutsch-österreichischer Schauspieler in der Spiele-Show Wetten dass über seine Tätigkeiten in Äthiopien. Es handelte sich um Karlheinz Böhm (1928 – 2014), welcher sich mit Filmen wie „Sissi“ großer Beliebtheit erfreute. Ein Keniaaufenthalt entfachte seine Liebe zu den einfachen Menschen in Afrika. Er wollte helfen und schloss in Wetten dass eine Spendenwette ab. Das war im Mai 1981. Ein halbes Jahr später gründete er die Organisation Menschen für Menschen. Damit war er in Äthiopien tätig. Zu seinen Herzensanliegen zählten die Abschaffung von Kinderehen und der weiblichen Genitalverstümmelung sowie die Ausweitung der Schulbildung, speziell für Mädchen.

Almaz Böhm (geb. Teshome 1964) stand ihrem späteren Ehemann immer zur Seite. Nach seinem Tod übernahm sie die Schirmherrschaft über Menschen für Menschen und managte die immer größer werdende Organisation.

Sonstige Organisationen, die sich für die Rechte von den Frauen im Globalen Süden einsetzen, aktuelle Problemfelder

Lauter Frauen unterstützende Gemeinschaften, Vereine, Assoziationen usw arbeiten heute mit viel mehr PR und müssen also hohe Werbeausgaben in Kauf nehmen. Auch wenn die Anliegen in den letzten 40 Jahren zum großen Teil gleich geblieben sind, hat sich das Marketing stark verändert. Alleine in Europa gibt es über 1000 NGOs, welche dringend Hilfskräfte und Fachpersonal suchen. Je nach Projektschwerpunkt benötigt man vor Ort medizinisches Personal, Ökonom*innen oder Bodenökolog*innen und entsprechende Ausstattung. Von großem Wert sind Einheimische, welche langjährige Erfahrungen in ihrem Heimatland gesammelt haben.

Für benachteiligte Frauen im Globalen Süden ist sinnstiftende Arbeit äußerst wichtig. Frauen haben so viele Fähigkeiten, welche z.B. Stiftung Fokus Frauen in Bolivien fördert: Handwerkskunst mit Eigenvermarktung. Über die Möglichkeit von Mikrokrediten wird aufgeklärt.

Immer größere Bedeutung erlangt die Bodenökonomie. Wenn ganze Landstriche von anhaltender Dürre bedroht sind, leidet die Landwirtschaft und erschwert die Arbeit von Frauen. Zahlreiche Aufforstungsprogramme werden aktuell durchgeführt. So auch von Böhms Organisation Menschen für Menschen in Äthiopien oder Brot für die Welt in Kenia. Frauen werden finanziell entschädigt.

Zum Schluss möchte ich auf die weibliche Genitalbeschneidung eingehen, welche keinesfalls nur religiösen Vorgaben entspricht. Es ist auch der soziale, traditionelle Druck, welcher auf der gesamten Familie liegt. Spitzenreiter bei den Beschneidungsquoten sind Somalia (98%), Guinea (97%) und Ägypten (91%). Lebenslange Einschränkungen sind oftmals Folge dieses Eingriffes. Auch staatliche oder kommunale Verbote zeigen kaum Wirkung. Die immer größer werdende Zahl an Migrantinnen brachte dieses Problem auch nach Europa und führte zum Ausbau von Beratungsstellen. Hier ist z.B. das Rote Kreuz aktiv.

Entwicklungshilfe gibt es schon lange. Wichtig ist, die Frauen vor Ort zu verstehen, zu stärken und zur Eigenständigkeit zu führen. Und das beginnt bereits bei der Bildung!

Quellen:

  1. By Gauthier Fabri, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38107221
  2. Von Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7396920
  3. Von Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6233428