Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr, denn sie betrifft uns alle, auch bei der täglichen Entscheidung, wie beispielsweise beim Lebensmitteleinkauf. Es ist durchaus relevant, was wir wo kaufen und welche Entscheidungen wir in diesem Aspekt tägtäglich treffen. Besonders im Lebensmitteleinzelhandel zeigt sich, wie komplex die Aufteilung der Verantwortung zwischen Supermärkten und Konsument:innen eigentlich ist. Jetzt stellt sich nur die Frage wer mehr Einfluss hat und inwiefern diese Thematik zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen kann.
Supermärkte – weitaus mehr als nur Regalanbieter
Supermärkte sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Sie bestimmen, was wir kaufen können und beeinflussen damit ganz wesentlich unsere Ernährung, unsere Einkaufsgewohnheiten und ebenso die Nachhaltigkeitswirkungen unseres Konsums. Durch die Auswahl des Sortiments, Preisgestaltung, Platzierung im Laden oder Werbung oder auch der Informationspolitik schaffen sie Rahmenbedingungen, die unsere Entscheidungen beeinflussen, unabhängug davon ob sie diese erleichtern oder erschweren. Tatsächlich haben so große Handelsketten eine ziemlich betrachtliche Menge an Einfluss auf Lieferketten, Verpackungsmengen, Herkunft von Rohstoffen und sogar auf Produktionsprozesse bei Herstellern. Das heißt also, dass sie somit keine neutralen Vermittler sind, sondern eher Gatekeeper im Ernährungssystem mit großer Marktmacht und dementsprechend auch einer besonderen Verantwortung für ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Zudem zeigen aktuelle Forschungen, dass Supermärkte das Konsumverhalten sogar direkt beeinflussen können und das auch gar nicht so selten tun. Das erreichen sie zum Beispiel indem sie (nachhaltige) Produkte stärker sichtbar machen oder lokal erzeugte Lebensmittel fördern. Sie können also nicht nur „Anbieter“ sein, sondern aktiv nachhaltigere Einkaufs- und Ernährungsentscheidungen etwas erleichtern.
Konsument:innen – Handlungsspielräume und Grenzen
Trotz des Einflusses der Anbieter ist aber klar, dass wir als Konsument:innen genauso Verantwortung tragen, denn jede Kaufentscheidung hat ökologische und soziale Konsequenzen. Angefangen bei der Wahl regionaler Bio-Produkte bishin zur bewussten Reduktion von Fleisch, jede noch so kleine Entscheidung kann zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen. Studien zeigen zudem, dass Einstellungen und Normen das nachhaltige Kaufverhalten stark beeinflussen und dass Konsument:innen durchaus in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, die Umwelt und Gesellschaft weniger belasten. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang auch den sogenannten Attitude-Behavior-Gap. Dieser beschriebt die Diskrepanz zwischen dem, was Menschen als nachhaltig gut bewerten und dem, was sie dann tatsächlich kaufen. Hindernisse sind häufig Faktoren wie höhere Preise für nachhaltige Produkte, mangelnde Information oder schlichtweg fehlende Verfügbarkeit. Ohne ein entsprechendes Angebot, in diesem Fall also ohne Supermärkte, die nachhaltige Produkte fair und sichtbar anbieten, bleiben individuelle Absichten leider oft wirkungslos.
Gemeinsame Verantwortung braucht gemeinsame Strategien
Die Frage „Wer trägt mehr Verantwortung?“ lässt sich demnach nicht eindeutig mit beantworten. Nachhaltigkeit entsteht grundsätzlich erst im Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage. Supermärkte müssen ihr Gewicht nutzen, um nachhaltige Produkte und Lieferketten zu etablieren, transparente Informationen bereitzustellen und Entscheidungen für nachhaltige Optionen zu erleichtern. Gleichzeitig sind Konsument:innen gefragt, diese Chancen bewusst zu nutzen, ihr Kaufverhalten zu reflektieren und bestenfalls dann nachhaltige Produkte zu bevorzugen. Nur wenn beide Seiten Verantwortung übernehmen, kann der Wandel zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem gelingen.
Quellen:
https://www.arbeiterkammer.at/service/presse/Studie_Nachhaltiger_Konsum_2022.pdf
https://www.anugafoodtec.com/magazine/supermarkets-as-promoters-of-sustainable-consumption.php
https://unsplash.com/s/photos/markt
