Reisen bildet …
… CO2
… Hitzewellen und Klimaschuldgefühle
… neue Klischees
… deine Storyline
… bleibende Erinnerungen?
Reisen gilt uns heute als Selbstverständlichkeit – als Recht, als Muss, als das Vehikel zur Selbstbestimmung. Doch wie „sinn-voll“ reisen wir wirklich? Ist das ständige Unterwegssein mittlerweile gar zum simplen Konsumgut verkommen – schnell gebucht, perfekt inszeniert, sofort online? Besonders in Europa ist Reisen heute so einfach, billig und zugänglich wie nie zuvor. Aber mit dieser Demokratisierung tauchen auch neue Fragen auf: Geht es noch ums Erleben selbst oder nur mehr ums Abhaken möglichst vieler Urlaubsdestinationen? Und wie schwer wiegen überhaupt die gesellschaftlichen und umweltbezogenen Schäden von dieser Art der Freizeitgestaltung? Dieser Blogbeitrag lädt dich dazu ein, genauer hinzuschauen: Was bedeutet Reisen heute, mit welchen Konsequenzen muss man rechnen – und ist es an der Zeit umzudenken?
Reisen bedeutet mehr als nur ein konkretes Ziel zu erreichen. Oft steht weniger der Ort selbst als vielmehr das diffuse Gefühl von Fernweh, Abenteuerlust oder der Wunsch nach Abstand vom Alltag im Vordergrund. Ob Sprachen lernen, neue Städte erkunden oder die eigene To-do-Liste abhaken – individuelle Reisemotivation reicht von Bildung über Pilgern bis hin zu Prestige. Nicht selten geht es um unbestimmte Sehnsüchte, bei denen das Unterwegssein bzw. die Vorfreude im Mittelpunkt stehen. Psychologisch gesehen wirkt Reisen nachweislich positiv: Es fördert die Kreativität, regt das Denken an und hinterlässt bleibende Erinnerungen (1).
Ausverkauf der Ferienidylle?
Die derzeit vorherrschende Art von Tourismus ist jedoch mit negativen sozialen, kulturellen und ökologischen Folgen verbunden. Overtourism belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch das gesellschaftliche Gefüge vor Ort. Städte wie Salzburg oder Hallstatt geraten unter Druck, denn die Masse an Besucher*innen verdrängt zunehmend das Alltagsleben – was bleibt, ist schlimmstenfalls eine touristisch inszenierte Kulisse (2). Plattformen wie Airbnb tragen zur Wohnungsnot bei, indem sie Wohnraum in touristische Angebote umwandeln und so die Mietpreise in die Höhe treiben. Das Versprechen, nach dem alle gieren, nämlich das „authentische, individuelle Reiseerlebnis“, wird zur Farce, wenn Gäste nur noch anderen Gästen begegnen. Auch die Umwelt leidet: Hoher CO2-Ausstoß durch Flugverkehr, Müllberge und zerstörte Ökosysteme gehören zu den sichtbarsten Schäden. Die Corona-Pandemie wirkte wie ein kurzfristiges „Reisefasten“, das die Debatte um Nachhaltigkeit im Tourismus neu belebt hat.
Mit gutem Gewissen unterwegs
Nachhaltiger Tourismus erfordert ein ganzheitliches Umdenken, welches ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) betont die Bedeutung der 17 SDGs der UNO als Leitfaden für eine zukunftsfähige Tourismusentwicklung. Ein zentraler Punkt ist die Förderung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster (SDG 12), welcher die Beobachtung der Auswirkungen des Reisens, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung lokaler Produktion beinhaltet. Darüber hinaus spielt nachhaltiger Tourismus eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz (SDG 13). Durch die Senkung des Energieverbrauchs und der Umstellung auf erneuerbare Energiequellen, insbesondere im Transport- und Beherbergungssektor, kann der Tourismus zur Bewältigung des Klimawandels beitragen (3).
Nachhaltigkeit und Reisen müssen also kein Widerspruch, sondern können ein Versprechen sein, dass Erleben und Erhalten von Kultur- und Umwelträumen zusammengehören. Wenn wir heute bewusster reisen, können wir morgen noch eine Welt entdecken, die es wert ist, gesehen zu werden! Vielleicht ist dies ein kleiner Denkanstoß für deinen kommenden Sommerurlaub!
Literatur:
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (2025): Tourismus und die SDGs. Wien: BMWET. https://www.bmwet.gv.at/Themen/Tourismus/tourismus-sdg/ (Zugriff: 20.05.2025).
Österreich Werbung (2018): Overtourism. Wenn die Tourismuswelle zu groß wird. https://www.austriatourism.com/blog/2018/overtourism-wenn-die-tourismuswelle-zu-gross-wird-teil-1/ (Zugriff: 20.05.2025).
Zschocke, Martina (2021): Warum Reisen? Zur Psychologie des Reisens. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Reisen und Tourismus. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. Band 50, S. 4-8.
