Im Rahmen des Interdisziplinären Praktikums Global Waste beschäftigen wir uns als Gruppe mit dem Thema Textilien und Abfallvermeidung. Ein wichtiger Teil unseres Projekts besteht darin, nicht nur über Textilabfall zu sprechen, sondern direkt dort mitzuarbeiten, wo gespendete Kleidung ankommt, sortiert wird und im besten Fall an Menschen weitergegeben wird, die sie wirklich brauchen.
Ein Ort, an dem diese Themen sehr konkret werden, ist das VinziDorf Graz.
Was ist das VinziDorf?
Das VinziDorf ist eine sozialarbeiterische Einrichtung für alkoholkranke Männer, die in einem kleinen Containerdorf in St.Leonhard leben. Es bietet Bewohnern einen geschützten Ort, an dem sie trotz ihrer Abhängigkeit ein möglichst stabiles, würdevolles und selbstbestimmtes Leben führen können. Viele der Männer leben seit Jahren dort und sind Teil einer Gemeinschaft, die von Respekt und gegenseitiger Unterstützung getragen wird.
Ein zentraler Aspekt des Alltags im VinziDorf sind Kleiderspenden, die regelmäßig von Privatpersonen, Familien und Haushaltsauflösungen eintreffen. Vor allem im Herbst und Winter ist warme Kleidung ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität – und manchmal auch fürs Überleben. Gleichzeitig kommen aber auch sehr große Mengen an Spenden an, die sortiert, verräumt oder weitergeleitet werden müssen. Genau dort haben wir angesetzt.
Was wir vor Ort gemacht haben:
In mehreren Praxiseinsätzen haben wir jeweils mehrere Stunden im VinziDorf mitgearbeitet. Unsere Aufgaben reichten von der allgemeinen Sortierung von Kleiderspenden über die Organisation nach Größen und Kategorien bis hin zur Weitergabe bestimmter Stücke an SOS Balkanroute, eine humanitäre Initiative, die Menschen auf der Flucht entlang der Balkanroute mit Kleidung, Schuhen und Hygieneartikeln versorgt.
Gemeinsam mit den Mitarbeitern, Bewohnern und freiwilligen Helfer*innen haben wir:
– neu eingetroffene Spenden gesichtet
– Kleidung auf Zustand und Verwendbarkeit überprüft
– warme Jacken, Pullis, Schuhe und Schlafsäcke für die Bewohner aussortiert
– große Mengen an gut erhaltener Kleidung für SOS Balkanroute vorbereitet
– Regale, Lagerbereiche und Kleiderständer neu organisiert
– mit den Bewohnern gesprochen und erfahren, was gerade wirklich gebraucht wird
Wie eng sozialer Nutzen und Nachhaltigkeit zusammenhängen, wenn gut erhaltene Kleidung direkt Menschen in schwierigen Lebenssituationen zugutekommt.
Wie wichtig Respekt und Begegnung auf Augenhöhe sind – viele Bewohner waren nicht nur dankbar für die Arbeit, sondern wollten auch selbst mithelfen.
Und schließlich: wie wichtig weiterführende Kooperationen sind, etwa mit SOS Balkanroute, damit brauchbare Kleidung dorthin gelangt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Warum diese Arbeit wichtig ist
Textilabfall ist ein globales Problem – aber sichtbar wird er erst, wenn man vor einem Berg gespendeter Kleidung steht und entscheiden muss, was wirklich jemandem hilft und was am Ende doch im Container landet.
Die Arbeit im VinziDorf hat uns gezeigt, wie viel Potenzial in verantwortungsvoller Wiederverwendung steckt. Gleichzeitig wird klar: nachhaltiger Umgang mit Kleidung beginnt nicht beim Spenden, sondern bereits beim Konsum.
Für uns war diese Praxisphase ein wertvoller Teil des Projekts – menschlich, organisatorisch und inhaltlich.
