Nach Einführung des neuen Pfandsystems in Österreich zeichnen sich erste Erfolge ab! Die Rücklaufquote konnte bis Ende 2025 auf rund 80% gesteigert werden, was ein großer Schritt Richtung geschlossene Stoff-Kreisläufe bedeutet. Täglich werden rund 8 Millionen Einwegbehältnisse in Österreich zurückgegeben. Zudem befürworten im Durchschnitt 3 von 4 Bürger*innen das neue Einwegpfand und sehen als größten Vorteil den Beitrag zu weniger Umweltverschmutzung (1).
Also alles super?
Natürlich hat das Pfandsystem auch seine Schwächen. Supermärkte müssen nur Flaschentypen zurücknehmen, welche sie auch selbst verkaufen, was die Rückgabe für Verbraucher*innen verkomplizieren kann (1). Wenn wir Umweltschutz zudem ernst nehmen wollen, sollten weitere Maßnahmen eingeführt werden, damit Mehrwegflaschen wieder häufiger als Einwegflaschen verwendet werden. 1990 wurden noch 80% der Getränke in Österreich in Mehrwegflaschen voranging aus Glas verkauft, heute werden hingegen 80% in Einwegflaschen verkauft. Ähnliches gilt für andere Verpackungsprodukte wie Kaffeebecher. Eine höhere Steuer auf Einwegverpackungen könnte ein erster weiterer Schritt sein, um daran wieder etwas zu ändern (2).
Sind Mehrwegflaschen die beste Lösung?
Tatsächlich sind Coffee-to-go Mehrwegbecher im Schnitt erst nach der 50. Wiederverwendung klimafreundlicher als Einwegbecher, da sie einen deutlich höheren Energie- und Materialaufwand verzeichnen. Auch für Flaschen lässt sich dies feststellen (5). Ein weiteres Dilemma entsteht bei der Festlegung des Flaschenpfandes für Mehrwegflaschen. Wenn dieses zu niedrig ist, sind ebenso die Rücklaufquoten gering. Wenn das Pfand jedoch zu hoch angesetzt wird, lohnt sich für die Getränkeproduzenten wirtschaftlich gesehen die Reinigung der rückläufigen Flaschen nicht mehr, da neue Glasflaschen preiswerter sein könnten (3).

Dann doch lieber Einwegflaschen?
Auch wenn Glasflaschen beispielweise eine deutlich schlechtere Klimabilanz haben, gibt es gerade bei manchen Verpackungen wie Einweg-Bechern das Problem, dass sie aus verschiedenen Kunststoffen und Papierfasern bestehen. Dies macht eine Trennung und anschließendes Recycling unmöglich und erlaubt schließlich lediglich die Verbrennung des Abfalls (5). Viele Einweg-Flaschen können hingegen erfolgreich recycelt werden, wodurch aus dem Kunststoff der alten Flaschen letztendlich wieder neue Flaschen hergestellt werden können. Das Pfandsystem hilft die dafür notwendigen Rücklaufquoten zu erhöhen. Es hat also definitiv erste Erfolge zu verbuchen und sollte entgegen der Forderung der FPÖ nicht wieder abgeschafft werden (1). Die Herausforderung bleibt also viel eher, wie wir es als Gesellschaft schaffen, die Recyclingquoten anderer Verpackungen zu verbessern bzw. wie wir generell den Verbrauch von Kunststoffverpackungen reduzieren können (4).

Quellen:
- https://www.derstandard.at/story/3000000279665/immer-mehr-flaschen-finden-weg-in-roehre-mehrheit-sieht-pfand-positiv
- https://www.derstandard.at/story/3000000253400/das-neue-plastikpfand-ist-ein-tropfen-auf-den-heissen-stein
- https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-09/vku-mehrweg-flaschenpfand-glasflaschen-muell
- https://www.spektrum.de/kolumne/einweggeschirr-was-wirklich-gegen-verpackungsmuell-hilft/2255219
- https://www.quarks.de/umwelt/muell/nur-so-sind-kaffee-mehrwegbecher-umweltfreundlich/
