Kunststoffabfälle gehören zu den großen Umweltproblemen unserer Zeit. Recycling gilt als ein wichtiger Lösungsansatz. Aber ist das wirklich so einfach? Denn obwohl oft große Versprechungen gemacht werden, zeigt die Realität: Nur ein Bruchteil des Kunststoffs wird tatsächlich sinnvoll wiederverwertet.
Was ist Recycling?
Unter Recycling versteht man die Wiederverwertung von Abfallstoffen, um sie erneut in den Produktionskreislauf hinzuzufügen. Kunststoffe lassen sich auf verschiedene Arten recyceln: werkstofflich (z.B. einschmelzen von Abfällen aus Mischkunststoffen), rohstofflich (z.B. chemische oder thermische Zerlegung) und energetisch (Verbrennung zur Energiegewinnung). Sobald Kunststoffabfälle gesammelt werden, durchlaufen sie Schritte wie Sortieren, Zerkleinern und Waschen, bevor sie zu sogenannten „Rezyklaten“ (wiederaufbereiteter Kunststoff) verarbeitet werden. Doch nicht alles gesammelte Material ist gleich gut recycelbar. (1)
In Österreich ist die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen gering: Laut Daten der European Environment Agency lag die Kunststoff-Verpackungs-Recyclingrate 2022 bei nur 25 % in Österreich. Das ist deutlich unter dem EU-Ziel von 50 %, das seit 2025 gilt. Ob Österreich das Ziel eingehalten hat, wird sich zeigen. (2)
Wo wird recycelter Kunststoff eingesetzt?
Rezyklate werden vor allem in Bereichen verwendet, in denen hochwertige Materialeigenschaften nicht am wichtigsten sind – beispielsweise im Bau (z.B. Folien, Fensterprofile) oder in Verpackungen. Laut dem Bericht „Facts Matter“ (2019) wird in Österreich besonders viel recycelter Kunststoff für Produkte verwendet, die aus geschmolzenem Kunststoff geformt werden – zum Beispiel Folien, Rohre oder verschiedene Profile. Ein Teil dieser Rezyklate stammt sowohl aus Post-Consumer-Abfällen (gebrauchte Kunststoffprodukte) als auch aus Produktionsabfällen. (3)
Greenwashing beim Recycling: Was verspricht die Industrie – und was ist wahr?
Viele Unternehmen präsentieren Recycling als zentrale Säule ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Ein bekanntes Beispiel ist Shell: Das Unternehmen kündigte an, bis 2025 1 Mio. Tonnen Plastikabfall pro Jahr durch chemisches Recycling (Pyrolyse) zu verwerten. Inzwischen gibt Shell jedoch zu, dass dieses Ziel nicht erreichbar ist. Mangelnde technologische Fortschritte, regulatorische Unsicherheit und fehlende Rohstoffe stehen im Weg. Kritiker:innen warnen, dass Versprechen wie diese häufig PR-Strategien sind, die von tiefer liegenden Problemen ablenken sollen. (4)
Fazit & Ausblick
Recycling von Kunststoff ist zweifellos wichtig, aber es reicht nicht aus, um die Krise allein zu lösen. Die aktuellen Quoten – national wie global – zeigen: wir recyceln weit weniger, als wir denken. Technische Hürden, wirtschaftliche Zwänge und begrenzte politische Rahmenbedingungen erschweren den echten Durchbruch. Unternehmen werben mit ambitionierten Zielen, doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich viele als nicht ganz so realistisch.
Quellen
(1) Deutsches Umweltbundesamt: Kunststoffe
(2) European Environment Agency: „Waste management country profile – Austria“
(3) Gesamtbericht der Studie „Facts Matter”
(4) The Guardian: „Shell quietly backs away from pledge to increase ‚advanced recycling‘ of plastics“
